Nach der so gut wie sicheren Präsidentschaftskandidatur Donald Trumps wenden sich viele US-Republikaner von dem umstrittenen Seiteneinsteiger ab. Der Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Paul Ryan, erklärte, er sei der Meinung, dass Trump "zum jetzigen Zeitpunkt mehr tun muss, um die Partei zusammenzubringen". In einem Interview mit dem TV-Sender CNN schloss er jedoch nicht aus, die Kampagne des Immobilienmilliardärs zu einem späteren Zeitpunkt zu unterstützen. Er hoffe, dass er "dorthin kommen" werde, "das ist mein Ziel", sagte Ryan, der als einer der mächtigsten republikanischen Politiker der USA gilt.

Ryan sagte weiter, Trump habe sich die Kandidatur "erarbeitet und verdient". Doch reiche es nicht aus, wenn der Milliardär sage, die Partei sei nun "vereint". Er müsse sich die Prinzipien der Partei zu eigen machen "und einen Wahlkampf führen, auf den die Republikaner stolz sein können und der tatsächlich die Mehrheit der Amerikaner anspricht". Das sei es, was gebraucht werde, um die Partei zusammenzuführen.

Trumps Wahlkampfteam reagierte mit einer Erklärung, der zufolge er seinerseits "nicht bereit" sei, Ryans Agenda als Parteianführer im Repräsentantenhaus zu unterstützen. "Vielleicht können wir in Zukunft zusammenarbeiten und zu einer Einigung darüber kommen, was das Beste für die amerikanische Bevölkerung ist", sagte Trump demnach.

Chris Christie, ein weiterer früherer Mitbewerber um die republikanische Präsidentschaftsnominierung und mittlerweile ein Trump-Unterstützer, bot sich als Vermittler an. Er werde Ryan fragen, was seine Sorgen hinsichtlich Trump seien, sagte der Gouverneur von New Jersey. "Donald hat Arbeit vor sich, die Leute zusammenzubringen."

George W. Bush: Kein Kommentar

Kritisch zu Trump äußerten sich auch die früheren republikanischen Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney und John McCain. Romney erklärte, er wolle nicht zum Nominierungsparteitag der Republikaner im Juni kommen. Dort könnte Trumps Kandidatur besiegelt werden. John McCain, der aktuell Senator des Bundesstaates Arizona ist, sagte, Trump schmälere möglicherweise seine Chancen auf eine Wiederwahl: "Es könnte das (schwerste) Rennen meines Lebens werden", sagte der Politiker.

Die ehemaligen US-Präsidenten George und George W. Bush werden sich ebenfalls nicht für Trump einsetzen. George Bush habe sich "aus der Politik zurückgezogen", sagte sein Sprecher Jim McGrath der Texas Tribune. Seine wenigen Auftritte zur Unterstützung seines Sohnes Jeb, der bereits im Februar aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner ausgestiegen war, seien die Ausnahmen gewesen, "die die Regel bestätigen". Auch die fünf vorherigen Präsidentschaftskandidaten hatte der heute 91-jährige Bush, der von 1989 bis 1993 US-Präsident war, noch mit großem Engagement unterstützt.

Für seinen Sohn George W. Bush, der von 2001 bis 2009 das höchste Staatsamt ausübte, ließ der Berater Freddy Ford mitteilen, der Ex-Präsident habe nicht vor, "an der Präsidentschaftskampagne teilzunehmen oder diese zu kommentieren".

Trump: Viele wollen Vizepräsident werden

Nachdem seine letzten verbliebenen Konkurrenten Ted Cruz und John Kasich in den Vorwahlen in dieser Woche ausgestiegen waren, ist Trump die Präsidentschaftskandidatur faktisch sicher. Der Milliardär hat angekündigt, dass er die Partei hinter sich vereinen wolle, nachdem in den vergangenen Monaten die Auseinandersetzung um die Kandidatur mit großer Verbissenheit und mit viel Polemik geführt worden war.

Mit der Benennung eines Kandidaten für die Vizepräsidentschaft will Trump indes offenbar bis zum Parteitag im kommenden Monat warten. "Es ist früh – wir haben erst gestern gewonnen", sagte er in einem Interview. "Ich werde es bei der Versammlung bekannt geben. Viele Leute sind interessiert", fügte Trump hinzu. Sollte er die Wahl im November gewinnen, werde er in Bezug auf die Trennung seiner Wirtschaftsinteressen von seiner Rolle als Präsident "tun, was immer der maximale Standard ist".