Bei Flüchtlingsunglücken im Mittelmeer sind in den vergangenen Tagen möglicherweise Hunderte Menschen ums Leben gekommen. Wie die Hilfsorganisation Save the Children der Nachrichtenagentur AP sagte, berichteten Überlebende bei ihrer Ankunft im sizilianischen Hafen Pozzallo, dass zwei Tage zuvor mehrere Hundert Flüchtlinge mit ihrem Boot gesunken seien.

"Wir haben die Zeugenaussagen mehrerer Geretteter aufgenommen. Sie berichten alle dasselbe", sagte Save-the-Children-Sprecherin Giovanna Di Benedetto. Demnach hatte das Boot am späten Mittwoch im Schlepptau eines größeren Schiffes den Hafen von Sabratha in Libyen verlassen. Nachdem der Kapitän des größeren Schiffs die Kappung der Schleppleine angeordnet habe, sei Wasser in das Boot eingedrungen. Daraufhin sei es gesunken. Den Angaben zufolge waren bis zu 400 Menschen an Bord, die meisten seien ertrunken.

Bei einer weiteren Havarie am Freitag wurden unterdessen 45 Tote geborgen. Das italienische Marineschiff Vega brachte die Opfer und 135 Überlebende wegen der zunehmend vollen Lager in Sizilien in den Hafen von Reggio Calabria. Das gute Wetter und die ruhige See hatten in den vergangenen Tagen viele Flüchtlinge dazu bewegt, die gefährliche Überfahrt von Libyen nach Italien zu wagen. Allein im Verlauf  dieser Woche wurden nach Angaben der italienischen Küstenwache und der Vereinten Nationen etwa 14.000 Migranten im Mittelmeer gerettet.

Es wird davon ausgegangen, dass in den vergangenen Jahren mehrere Flüchtlingsboote im Mittelmeer spurlos gesunken sind. Hinweise geben oft nur Angehörige, die erzählen, dass ihre Familienmitglieder zwar Boote bestiegen hätten, aber nie in Europa angekommen seien.

Papst gedenkt der Opfer

Papst Franziskus machte am Samstag bei einer Audienz für Kinder aus Süditalien auf das Leid der Flüchtlinge aufmerksam. "Sie sind keine Gefahr, sie sind in Gefahr", sagte das katholische Kirchenoberhaupt und hielt eine rote Rettungsweste hoch.

Ein Helfer hatte sie ihm vor wenigen Tagen bei einer Generalaudienz gegeben und geweint, weil er das Kind nicht retten konnte. "Er gab mir diese Rettungsweste und sagte weinend: "Vater, ich habe versagt. Da war dieses Mädchen, in den Wellen, aber ich konnte es nicht retten. Alles, was geblieben ist, ist seine Rettungsweste", berichtete Franziskus den Kindern. Er forderte sie auf, an das namenlose Mädchen zu denken: "Jeder von euch soll ihr den Namen geben, den er will. Sie ist im Himmel und wacht über uns."