Die EU-Kommission will die Zulassung für das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat um neun Jahre bis 2025 verlängern. Das geht aus einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Entwurf der EU-Kommission vor. Ursprünglich sollte die Nutzung von Glyphosat in der Landwirtschaft für weitere 15 Jahre genehmigt werden. Das EU-Parlament hatte sich für eine auf sieben Jahre befristete Wiederzulassung ausgesprochen.

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Mitte nächster Woche soll es zu einer endgültigen Entscheidung kommen, wenn sich Ländervertreter in einem Fachausschuss in Brüssel mit der Neuzulassung befassen. Aller Voraussicht nach wird Deutschland sich bei der Abstimmung enthalten. Außerdem kündigte Frankreich bereits an, gegen die Zulassung zu stimmen. Damit wäre unklar, ob die erforderliche Mehrheit zustande kommt.

Einstimmigkeit ist für die Entscheidung des Fachausschusses nicht notwendig. Schon im vergangenen März war ein erster Versuch der Abstimmung vertagt worden, weil nicht genügend Stimmen erreicht worden waren.

Hintergrund für die deutsche Uneinigkeit sind unterschiedliche Positionen in der Bundesregierung. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte in einer Videonachricht auf Twitter: "Solange wir nicht zweifelsfrei wissen, ob Glyphosat gesundheitsschädlich ist, sollten wir diese Chemikalie auch nicht zulassen." In Deutschland gelte das Vorsorgeprinzip. Deshalb würden die SPD-geführten Ressorts der Wiederzulassung von Glyphosat nicht zustimmen. Auf der anderen Seite hatte bislang Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) signalisiert, der Zulassung zuzustimmen. Auch Bauernverbände sind für eine weitere Erlaubnis, die viel verwendete Chemikalie versprühen zu dürfen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßte die Ablehnung von Hendricks. Vor allem Grüne und Umweltschutzorganisationen protestieren gegen die Wiederzulassung der Chemikalie. Sie steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Allerdings kommen Forscher und Institute in dem Zusammenhang zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Während die Weltgesundheitsorganisation WHO den Stoff beispielsweise als "wahrscheinlich krebserregend" klassifiziert, halten das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Glyphosat für nicht krebserregend.

Die Zulassung für Glyphosat in der EU läuft am 1. Juli aus. Einigen sich die Staaten nicht rechtzeitig, könnte sich die EU-Kommission erneut für eine provisorische Verlängerung aussprechen. Das aber will sie möglichst vermeiden, wie eine Kleine Anfrage der Grünen ergeben hat. Käme es weder zu einer Einigung, noch einer provisorischen Verlängerung, wäre das Pflanzenschutzmittel Anfang Juli aber nicht sofort vom Markt. Übergangsregelungen zufolge dürften Landwirte weiterhin Mittel mit Glyphosat nutzen, die bereits im Umlauf sind.

Glyphosat wird seit den 1970er Jahren in der Landwirtschaft eingesetzt. Der US-Agrarkonzern Monsanto vertreibt Glyphosat unter dem Markennamen Roundup und erzielte damit im vergangenen Jahr einen Umsatz von 4,8 Milliarden Dollar. Auch andere Konzerne produzieren das sogenannte Totalherbizid.