Sadiq Khan hat die Londoner Bürgermeisterwahl gewonnen. Der Labour-Politiker bekam nach Bekanntgabe des offiziellen Wahlergebnisses in der Nacht zum Samstag über 300.000 Stimmen mehr als sein konservativer Rivale Zac Goldsmith von den Tories. Damit übernimmt die Arbeiterpartei nach acht Jahren wieder das Ruder in der britischen Hauptstadt. Khan erklärte nach der Bekanntgabe der Stimmenauszählung: "Ich möchte jedem einzelnen Londoner dafür danken, dass er das Unmögliche möglich gemacht hat."

Der 45-jährige Khan ist pakistanischer Abstammung und der erste Muslim, der eine EU-Metropole regieren wird. Der konservative Bürgermeister Boris Johnson war nach acht Jahren nicht mehr angetreten. In London leben 8,6 Millionen Menschen, von denen mehr als eine Million Muslime sind.

Schon vor Bekanntgabe des Endergebnisses hatten Khan mehrere Politiker gratuliert, darunter der Chef der Labour-Partei, Jeremy Corbyn. Er schrieb dem 45-Jährigen, er könne es gar nicht abwarten, mit ihm ein gerechteres London für alle zu schaffen.

Khan bezeichnet sich als "britischer Muslim"

Khan ist studierter Jurist und Menschenrechtsanwalt. Er wuchs als Sohn pakistanischer Immigranten mit sieben Geschwistern in einer Sozialwohnung im Süden Londons auf. 2005 wählten ihn die Bürger in seinem Heimatviertel per Direktwahl zum Abgeordneten. Unter Premierminister Gordon Brown diente er als Verkehrsminister. Bei der obligatorischen Vereidigung zum Geheimrat im Buckingham Palace legte Khan seinen Eid nicht auf einer Bibel, sondern auf einem Koran ab.

Khan bezeichnet sich selbst als "britischer Muslim" und sagte mehrmals, er kämpfe gegen Extremisten. Damit wehrte er sich gegen den Vorwurf, Kontakte zu islamistischen Terroristen zu haben. Im Wahlkampf hatten Goldsmith und der britische Premierminister David Cameron dem muslimischen Labour-Politiker vorgeworfen, in der Nähe von Terroristen zu stehen. Corbyn nannte die Kritik "abscheulich".

Khan wirbt für EU-Verbleib

Eine weitere wichtige Wahl in Großbritannien, nicht nur für Londoner, ist das Referendum am 23. Juni über den Verbleib in der EU. Goldsmith wirbt wie Johnson für den Austritt Großbritanniens. Khan ist dagegen für den Verbleib.

Khans Wahlsieg sorgt auch international für Aufsehen. Zu den Gratulanten gehörte etwa der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio.

Außerdem schrieb Anne Hidalgo, die Bürgermeisterin von Paris, auf Twitter: "Gratulation an Sadiq Khan. Ich bin überzeugt, dass die Londoner von seinem Humanismus und seiner Fortschrittlichkeit profitieren werden." Der französische Premierminister Manuel Valls beglückwünschte Khan zu seinem "herausragenden Sieg". Und auch vom politischen Gegner kamen Gratulationen. Der konservative britische Wirtschaftsminister Sajid Javid, der wie Khan pakistanischer Abstammung ist, twitterte: "Von einem Sohn eines pakistanischen Busfahrers zum anderen: Glückwunsch."

Auch die Schwester des unterlegenen Tory-Kandidaten Zac Goldsmith, Jemima Goldsmith, gratulierte Khan. Er sei "ein großartiges Vorbild für junge Muslime", schrieb die Ex-Frau des pakistanischen Cricket-Stars Imran Khan auf Twitter. Gleichzeitig kritisierte sie den Wahlkampf ihres Bruders. "Traurig, dass Zacs Wahlkampf ihn nicht so widerspiegelte, wie ich ihn kenne: umweltfreundlich, unabhängig im Denken und ein Politiker mit Integrität."