E-Mails. Hillary Clinton wird dieses Wort einfach nicht los. Genau wie ihr lästiger Gegner Bernie Sanders taucht es überall auf, wo Clinton ist, und lässt sich auf dem Weg ins Weiße Haus einfach nicht abschütteln. Sanders wird sie spätestens nach dem Nominierungsparteitag der Demokraten Ende Juli in Philadelphia als Problem los sein. Mit ihrer E-Mail-Affäre wird sie nicht so viel Glück haben.

Das Außenministerium hatte am Mittwoch in einem Untersuchungsbericht erneut das Fehlverhalten Clintons in der Nutzung eines privaten Servers für ihre E-Mails aufgelistet. Nein, sie hätte das als Außenministerin alles so nicht machen dürfen. Ja, sie hätte alle Mails mit dem Ausscheiden aus dem Amt an das Ministerium übergeben müssen. Und insgesamt hat Clinton wenig Transparenz in der Aufarbeitung der Affäre gezeigt.

Das Thema wird lästig bleiben für die Demokratin. Gerade auch im Wahlkampf gegen Donald Trump, der seine Gegnerin schon jetzt nur noch crooked Clinton nennt, die verlogene, betrügerische Clinton. Die Frage für die 68-Jährige ist nur, wie lästig das Thema für sie noch werden kann. Nervig lästig, aber zu managen, wie Sanders? Oder so gefährlich lästig, dass es sie die Präsidentschaft kosten kann? "Natürlich hätte sie es so nicht machen dürfen", sagt Derek Shearer, Dozent am Occidental College in Los Angeles und ehemaliger Berater von Clinton. "Doch es geht bei diesem Thema nie um die Details, es geht nur darum, wie die Öffentlichkeit und ihre Gegner es drehen."

Und dann führt Shearer Colin Powell ins Feld. Der Republikaner, der unter George W. Bush Außenminister war, hatte ebenfalls eine laxe Haltung, wenn es um die Trennung von privaten und dienstlichen Mails ging. Diesen Spin versucht auch Clintons Sprecher Brian Fallon auf Twitter, wenn er schreibt, dass Clintons Praxis nicht unüblich war.

Allein, Powell kandidiert nicht für ein politisches Amt, er muss keine Vorwürfe ausräumen und Negativkampagnen abwehren. Den 83 Seiten langen Bericht werden die, die Clinton als Präsidentin verhindern wollen, nicht komplett lesen. Es geht nicht um detaillierte Vorwürfe. Ihr Angriff ist simpel: Clinton hat mit ihrer E-Mail-Affäre die nationale Sicherheit gefährdet. Ergo ist sie nicht qualifiziert, Präsidentin und Oberste Befehlshaberin über die Streitkräfte zu sein. "Hillary For Prison 2016" ist längst ein beliebter T-Shirt-Aufdruck. Clinton gehört für viele Konservative ins Gefängnis und nicht ins Weiße Haus. 

Die Demokratin hat einiges versucht, um sich des Themas zu entledigen. Sie hat sich dafür entschuldigt, es als Fehler bezeichnet. Sie hat über die ewig gleichen Vorwürfe gelacht. Sie hat es ignoriert. Selbst Bernie Sanders hat in TV-Debatten mit Clinton abgewunken, er wollte nicht mit diesem Thema gegen Clinton gewinnen. Beide Demokraten wollen einen Wahlkampf der Inhalte führen. Genau darin liegt für Clinton jedoch das Problem in der Affäre. Ganz unabhängig von allen juristischen Fragen und Ermittlungen bleibt bei den meisten Wählern in einem langen, oft schmutzigen Wahlkampf nicht hängen, welche Steuerpläne sie hat oder wie genau sie ihr Krankenversicherungskonzept erklären kann. "Fakten sind wichtig, aber sie bestimmen nicht das Wählerverhalten", sagt Derek Shearer.