Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann tritt von all seinen Ämtern zurück. "Ich lege meine Funktionen als Bundeskanzler und SPÖ-Chef zurück", sagte er in einer Pressekonferenz nach einem Treffen mit den Landesparteichefs im Bundeskanzleramt. "Dieses Land braucht einen Kanzler, wo die Partei voll hinter ihm steht. Die Regierung braucht einen Neustart mit Kraft", sagte Faymann. "Wer diesen Rückhalt nicht hat, kann diese Aufgabe nicht leisten."

Wiens Bürgermeister Michael Häupl soll vorübergehend die Parteiführung übernehmen. Ein entsprechender Beschluss soll noch am Nachmittag fallen. Als Kanzler wird übergangsweise Vizekanzler Reinhold Mitterlehner von der konservativen ÖVP die Regierungsgeschäfte führen, teilte eine Sprecherin des Präsidentenamts mit. Die Legislaturperiode dauert zwei weitere Jahre. Bundespräsident Heinz Fischer werde der Bitte Faymanns nachkommen und Mitterlehner mit der Fortführung aller Geschäfte beauftragen, hieß es aus dem Büro des Präsidenten.

Faymann zog mit seinem Rücktritt die Konsequenzen aus dem mangelnden Rückhalt in seiner Partei und deren schlechtem Abschneiden bei der Bundespräsidentenwahl vor zwei Wochen. Die Regierungskoalition steht innenpolitisch massiv unter Druck, die Umfragewerte für seine SPÖ und die mitregierende konservative Volkspartei ÖVP sinken seit Monaten. In Umfragen stieg die rechtspopulistische FPÖ zuletzt klar zur stärksten Partei auf. Deren Spitzenkandidat für das Amt des Bundespräsidenten, Norbert Hofer, entschied auch die erste Runde der Wahl für sich und gilt als Favorit für die Stichwahl am 22. Mai.

Der Rücktritt Faymanns kam dennoch überraschend. Noch am Morgen hatte der Kanzler vor einem Treffen mit den SPÖ-Landesparteichefs betont, er werde nicht zurücktreten.

Ein Grund für die wachsende Unzufriedenheit der Österreicher ist neben den Folgen der Flüchtlingskrise die Sorge vor einem wirtschaftlichen Niedergang. In der Flüchtlingspolitik hatten die Sozialdemokraten unter Faymanns Führung auf einen restriktiveren Kurs gesetzt. Dies ist innerhalb der Partei allerdings höchst umstritten. Faymann verteidigte das Ende der Willkommenskultur in seinem Land und sagte: "Es wäre verantwortungslos gewesen, nicht auch eigene Maßnahmen zu setzen." Österreich habe etwas geleistet und Zehntausenden Menschen Asyl gegeben. Zum Ende seiner Pressekonferenz verabschiedete er sich noch mit einem "Alles Gute".