Der umstrittene Rechtspopulist Rodrigo Duterte hat die Präsidentschaftswahl auf den Philippinen mit großem Vorsprung gewonnen und einige erste Pläne für den Inselstaat vorgestellt. Als Präsident will der Anwalt Duterte so wie vorher als Bürgermeister der Millionenstadt Davao gnadenlos gegen Kriminalität und Drogen vorgehen. Das Rezept sei nicht kompliziert, sagte er bei einem Wahlkampfauftritt: "Tötet sie alle." Der 71-Jährige will nach eigenem Bekunden Zehntausende "Kriminelle" hinrichten lassen und so viele von ihnen in der Bucht von Manila versenken, "dass die Fische dick und fett werden".

Duterte, der 22 Jahre lang Bürgermeister war, hat nach fast vollständiger Auszählung der Stimmen die Wahl am Montag klar gewonnen, seine wichtigsten Konkurrenten haben ihre Niederlagen bereits eingeräumt. Es wird erwartet, dass der 71-Jährige am 30. Juni die Amtsgeschäfte übernimmt.

Duterte hatte einen provokanten, teils vulgären Wahlkampf geführt, er hatte den Papst einen Hurensohn genannt und sich abwertend über ein Missbrauchsopfer geäußert. Als feststand, dass er die Wahl gewonnen hat, zeigte er sich kurz versöhnlich: Er nehme das Amt mit "äußerster Demut", sagte Duterte. Dann fügte er hinzu: "Ich strecke meine Hand aus und möchte die Versöhnung jetzt beginnen." Gleichzeitig bekräftigte er sein Versprechen, hart gegen Drogen, Kriminalität und Korruption vorzugehen. Seine Botschaft an bestechliche Polizisten laute: "Entweder du tötest mich oder ich töte dich."

Auf den unter Kriminalität, Armut und korrupten Sicherheitsbehörden leidenden Philippinen kam Duterte auch deshalb so gut an, weil er nicht zu der alteingesessenen politischen Elite des Landes zählt. Er nutzte eine derbe Gossensprache, beleidigte Diplomaten und protzte mit seiner Potenz.

Dutertes Sprecher Peter Lavina kündigte nun an, unter dem künftigen Staatschef werde es landesweit ab 22 Uhr eine Ausgangssperre für unbegleitete Kinder gelten. Duterte erwäge außerdem, den Verkauf von Alkohol zwischen Mitternacht und acht Uhr landesweit zu untersagen.

In dem von Duterte regierten Davao ist ein solches Verbot bereits seit Längerem in Kraft. Pubs und Bars, die dagegen verstoßen, können ihre Geschäftszulassung verlieren. Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit ist für Jugendliche unter 18 Jahren verboten.

Unter dem 1986 in einem friedlichen Volksaufstand gestürzten Diktator Ferdinand Marcos galten in den Philippinen strikte nächtliche Ausgehverbote. Zwischen 1972 und 1981 hatte Marcos das Kriegsrecht verhängt und dies mit dem notwendigen Kampf gegen Straftäter und kommunistische Aufstände begründet. Menschenrechtsaktivisten und der scheidende Präsident Benigno Aquino, der den Kandidaten Roxas unterstützte, hatten vor der Wahl davor gewarnt, dass Dutertes Sieg eine Rückkehr zu diktatorischen Verhältnissen bedeuten könne.

Duterte brüstet sich mit Killerkommandos

Der 71-jährige Duterte hatte im Wahlkampf angekündigt, Tausende Straftäter hinrichten zu lassen und das Parlament aufzulösen, falls dieses seine Politik stören sollte. Sein Sprecher sagte nach seinem Wahlsieg, Duterte wolle nichts weniger, als das politische System umkrempeln. Er strebe eine Verfassungsreform an, um föderale Strukturen zu stärken.

Menschenrechtler warnen, Dutertes Drohrhetorik ernst zu nehmen. Duterte stehe im Verdacht, in Davao Todesschwadronen organisiert oder zumindest toleriert zu haben. Etwa 1.700 angebliche Kriminelle seien in seiner Region seit den achtziger Jahren getötet worden.

Die Existenz solcher Killerkommandos hatte Duterte jahrzehntelang bestritten. Doch in den vergangenen Monaten brüstete sich der für "Recht und Ordnung" einstehende Politiker nicht nur damit, sondern bezeichnete die Schätzungen der Menschenrechtsorganisationen zu den Opferzahlen sogar als zu niedrig.