Derzeit flimmert eine Reihe von Filmen über den Kalten Krieg in den Kinos. Sie vermitteln das schöne Gefühl einer zwar gefährlichen, aber doch verständlichen Welt, einer klaren Ordnung mit Sortierung in West und Ost, rechts und links, Gut und Böse. Vor allem kann man immer wieder die Geschichte des Sieges der Demokratie über die Bösen erzählen, über die Nazis, dann die Sowjets.

Diese Filme drücken wohl auch eine Sehnsucht aus unserer Zeit, die ziemlich unübersichtlich ist. Damals im Kalten Krieg war alles klar: hier die USA, dort die Sowjetunion. Aber heute? Der Rückzug der Weltmacht USA, die Kriege um Europa herum, Dschihadisten mit Schwertern und Smartphones, kollabierende Staaten, die wachsende Zahl der Flüchtlinge. Wir stehen am Beginn eines neuen Zeitalters der Migration, das – in schlichten Zahlen gerechnet – das vergangene Jahrhundert der Vertreibungen noch in den Schatten stellen dürfte.

Die Angst vor der Unübersichtlichkeit und Unabsehbarkeit wächst. Und das nährt den Hunger nach Ordnung und Stabilität, egal wie.

Der Aufstieg der Populisten und Autoritären ist auch so zu erklären. Wenn man sich ansieht, was die AfD, der Front National oder die FPÖ so anzubieten haben, sind es vor allem Gewissheiten, die aus einer vergangenen Zeit stammen. Das Antiglobalisierungsgebrabbel von Marine Le Pen hat schon der längst vergessene KPF-Chef George Marchais vor Jahrzehnten von sich gegeben. Radikale Linke in Frankreich und anderen europäischen Ländern reden ähnlich, die Populisten in den Regierungspalästen Ostmitteleuropas dito. Le Pens Partei macht wie die FPÖ und die AfD Stimmung gegen den Islam und erinnert an die Zeit vor fünfzig Jahren, als nur wenige Muslime in Europa lebten. Manche Kommentatoren bezeichnen die AfD als Partei von Leuten, die sich zurück in die achtziger oder gar fünfziger Jahre wünschen.

Kampf gegen die EU

Doch die eigentliche Sehnsucht gilt wohl gar nicht Politikern wie Le Pen, Strache, Wilders und Höcke an sich, sondern dem impliziten Versprechen ihrer Parolen. Wieder Ordnung herstellen, Übersicht schaffen, den liberalen Finanzkapitalismus besiegen und ansonsten Muslime raus. Der Islam gehört schließlich nicht zu Europa, oder?

Die Populisten kämpfen gegen die EU, aber das im Namen europäischer Werte: Gerechtigkeit, Gleichheit, Christentum, nationale Freiheit. Die EU verkörpert in den Augen vieler Wähler von Populisten die Unübersichtlichkeit und Ungerechtigkeit schlechthin. Versteht einer noch die Deals von Brüssel? Warum werden die EU-Größen nicht mit den Flüchtlingen fertig? Warum laden sie die US-Amerikaner mit TTIP nach Europa ein, uns mit Chlorhühnchen zu vergiften? Warum verhängen sie Sanktionen gegen Russland und sind so tolerant gegenüber Muslimen? Warum verhandeln sie mit der Türkei über den Beitritt? Und warum machen sie das alles, ohne uns zu fragen? Alles Fragen, die populär sind unter Populisten.

Deshalb lieben sie Referenden, in denen sie das Volk gegen die EU aufpeitschen können. Welche Kraft sie entfalten können, sieht man an Blochers quadratisch helvetischen Kampagnen in der Schweiz und am niederländischen Referendum gegen das EU-Assoziationsabkommen mit der Ukraine. Geert Wilders jubelte, die "Demokratie hat gewonnen!"   

Doch dahinter gähnt der Abgrund. Eine wachsende Zahl von Europäern wählt die linksrechten Populisten in der Hoffnung auf Ordnung und Stabilität. Aber sie werden verlieren, was Europa Stabilität gibt: die EU. Und sie werden das ernten, was sie am meisten zu fürchten scheinen. Politische Erschütterungen, Unberechenbarkeit, erratische Führer, Politik als Rachegeschäft, Hexenjagden und wachsende Angst. Populisten stehen für Unordnung und Instabilität.

Wer es nicht glaubt, möge sich Polen ansehen, wo eine Minderheit der Bevölkerung sich bei den Wahlen gedacht hat,"Jetzt zeigen wir's mal den satten liberalen Eliten!", und meinte, es wird schon nicht so schlimm kommen. Aus dem Denkzettel aber wird nun eine konservative Revolution. Die PiS-Regierung verwandelt Polen im Zeitraffer in einen autoritären Staat nach dem Muster der Zwischenkriegszeit. In Ungarn hat Premier Viktor Orbán schon mal vorsorglich festgestellt, dass Miklós Horthy, ungarischer Führer 1920 bis 1944, "kein Diktator war, nein, nein, nein".

Das nächste Schlachtfeld der populistischen Internationalen wird nun Österreich, wo die FPÖ gerade in Richtung Macht marschiert. Viele Österreicher lieben es kommod und ruhig wie früher – und wählen deshalb die Populisten. Mit der FPÖ werden die kommoden Zeiten endgültig vorbei sein.