Die Führung der US-Republikaner muss sich langsam aber sicher ernsthaft mit ihrem unbeliebten wahrscheinlichen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump auseinandersetzen. Das weiß auch Paul Ryan, Vorsitzender des Repräsentantenhauses und derzeit der wohl mächtigste Vertreter des republikanischen Establishments. Nachdem viele einflussreiche Republikaner Trump die Gefolgschaft verwehrt haben ist Ryan – der eine eigene Präsidentschaftskandidatur abgelehnt hat – einen Schritt auf Trump zugegangen. Bei einem gemeinsamen Gespräch in Washington haben die beiden versucht, die Zukunft der Republikaner auszuloten.

Ryan sprach im Anschluss von einer "ermutigenden Begegnung". Es hätten zwar nicht alle Streitpunkte ausgeräumt werden können. Jedoch wolle man gemeinsam das Ziel verfolgen, die Wahl gegen die wahrscheinliche Demokraten-Kandidatin Hillary Clinton zu gewinnen. "Wir bleiben zuversichtlich, dass es eine große Chance gibt, unsere Partei zu einen und in diesem Herbst (die Wahl) zu gewinnen", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Trump und Ryan. "Wir sind vollkommen entschlossen, für dieses Ziel zusammenzuarbeiten", heißt es darin weiter.

Ryan verzichtete in dem Statement allerdings darauf, seine direkte Unterstützung für den Kandidaten Trump zu bekunden. Diese hatte er vor wenigen Tagen bereits ausdrücklich verweigert, weil er im Wahlprogramm Trumps kein ausreichend scharfes, konservatives Profil erkennen könne. Es sei kein Geheimnis, dass Trump und er Differenzen gehabt hätten, sagte Ryan.

Trump will etwa Mindestlöhne erhöhen, den internationalen Handel einschränken und eine Krankenpflichtversicherung aufrechterhalten. Vor allem der konservative Republikaner-Flügel hält dies für zu nahe an den Demokraten. Dies lasse sich im Verlauf von nur einem Gespräch nicht auflösen, sagte Ryan. "Das ist ein Prozess." Sein Vorgänger im Amt, John Boehner, sagte unterdessen in Las Vegas, Trump sei nun mal der wahrscheinliche Kandidat, "ob es den Leuten gefällt oder nicht". Allerdings sagte Boehner auch, dass er mit vielen politischen Standpunkten Trumps nicht übereinstimme, etwa die Beendigung von Handelsverträgen und ein mögliches Einreiseverbot für Muslime.

Trump, der vor knapp einem Jahr als völliger Außenseiter gestartet war, ist die Nominierung zum offiziellen Kandidaten der Republikaner kaum noch zu nehmen. Wahrscheinliche Gegenkandidatin der Demokraten ist die ehemalige Außenministerin Clinton. Etliche führende Republikaner hatten Vorbehalte wegen Trumps sprunghafter politischer Ideen, seiner Tabubrüche und Beleidigungen. Neben Ryan zählen dazu auch die früheren Präsidenten George Bush und George W. Bush sowie der Präsidentschaftskandidat von 2012, Mitt Romney.

Ryan würdigte, dass es Trump gelungen ist, neue Wählergruppen für die US-Republikaner zu erschließen. "Ich gehöre einem Flügel an, Donald Trump hat einen neuen Flügel eingebracht, Wähler, die wir vorher nicht hatten", sagt Ryan. Dies sei eine bemerkenswerte Leistung. Es gehe jetzt darum, die Grundprinzipien von Staat und Partei deutlich zu machen, sagte Ryan. "Die Frage ist: Können wir uns auf diese Prinzipien einigen?", sagte Ryan und fügte hinzu: "Ich bin ziemlich sicher, dass die Antwort 'Ja' lauten wird."

Nach dem Treffen mit Ryan kam Trump in Washington mit republikanischen Senatoren sowie mit Vertretern des Abgeordnetenhauses zusammen. Viele Senatoren fürchten um ihre Posten, die am 8. November ebenfalls zur Wahl stehen.