Die New Yorker Boulevardzeitung Daily News verkauft ihre Ausgaben nicht wegen der Qualität ihrer Artikel, sondern wegen des hohen Anteils an Promitratsch und Aliengeschichten – und an guten Tagen wegen ihrer Titelseite. Der Tag nach den Vorwahlen in Indiana ist ein guter Tag, um Zeitungen zu verkaufen. Es ist ein schlechter Tag für die Republikanische Partei. Die Grand Old Party wird von der Daily News beerdigt. Ein blau-weiß-roter Elefant, das Symbol der Partei, liegt in einem offenen Sarg, daneben der Titel: "Republikanische Partei 1854 – 2016". Eine der großen Parteien der USA ist am Ende. Und hat dem eigenen Sterben monatelang tatenlos zugeschaut. Donald Trump hat auch deshalb die Vorwahl in Indiana gewonnen und Ted Cruz als Konkurrenten und Bewerber erledigt.

Ein Mann ohne Politerfahrung und ohne klare politische Agenda, der allein mit Tabubrüchen und Phantasmen über Amerikas Größe auf Stimmenfang ging. Diese Erkenntnis kam für das Establishment der Partei indes zu spät. Es war erst nach seinen ersten Erfolgen in New Hampshire, South Carolina und Nevada, als die Republikaner versuchten, über öffentliche Distanzierungen die Wählergunst zunächst auf Jeb Bush, dann auf Marco Rubio und in einem letzten verzweifelten Versuch auf Ted Cruz zu lenken – der als Tea-Party-Ikone wahrlich kein Vertreter der Kernpartei ist.

Hoffnung und Vorbild für Mittelschicht

Trump aber konnte wieder und wieder hinzugewinnen, in den Augen vieler Amerikaner vor allem durch seine Glaubwürdigkeit. "Er sagt es, wie es ist", heißt es in Umfragen immer wieder über den Milliardär aus New York. Kein Konkurrent konnte ihm in dieser Kategorie gefährlich werden. Egal, ob in Las Vegas oder in New Hampshire, die Menschen finden ihn gut, weil er nicht Teil des Politikbetriebes ist und weil sie ihm glauben, wenn er sich auf eine Bühne stellt und in die Menge brüllt: "Ich werde Amerika wieder groß machen." Oft sind es die Frustrierten und vom Leben Enttäuschten, die Trump zujubeln. Diejenigen, für die der amerikanische Traum längst ausgeträumt ist: Ein lebenslanger Job, das Haus, der Pick-up und das Sparbuch für die Universitätsausbildung der Kinder. Ein Leben, das die Masse der Amerikaner von Ohio bis Idaho jahrzehntelang gelebt haben.

Doch diese Mittelschicht gibt es immer weniger, die Anzahl derer, die Teil der gig economy sind, in der sich Menschen mit vielen Jobs über Wasser halten, steigt stetig an. Den Abgesang des amerikanischen Traums hat keiner in diesem Vorwahlkampf lauter gesungen als Trump – und mit seiner eigenen Biografie voller Gold und Glamour zugleich suggeriert, dass jeder es doch noch schaffen kann, den amerikanischen Traum zu leben – wenn man nur ihn, den vermeintlichen Selfmademan par excellence ins Weiße Haus wählt. Die Republikanische Partei dagegen hat viel zu spät erkannt, dass die alten Dogmen – ein schlanker Staat, privatisierte Sozialsysteme, ein übermächtiges Heer – augenscheinlich nicht länger funktionieren.

Wollen die Konservativen die Präsidentschaft nicht erneut an die Demokraten verlieren, müssten sie jetzt ihr Geld und ihre sonstigen Ressourcen dem Trump-Team zur Verfügung stellen. Doch das scheint ausgeschlossen, denn zu sehr ist Trump all das, was die Konservativen nicht sein wollen und zu sehr hat er die Partei in den vergangenen Monaten der Lächerlichkeit preisgegeben.

Distanz zwischen Trump und Partei bleibt

Und, ja, das gilt auch im weiteren Verlauf des Wahlkampfs gegen Hillary Clinton, wenn sich Trump zwangsläufig Positionen der Mitte annähern muss, um die Wechselwähler nicht zu verlieren. Auch über die Frage des Vizepräsidenten und eines möglichen Schattenkabinetts könnten sich Trump und die Partei annähern. Chris Christie etwa hat sich auffällig oft gemeinsam mit ihm gezeigt. Auch Sarah Palin hat sich der Milliardär schon auf seine Bühne geholt. Allerdings machen die Unberechenbarkeit dieses Wahlkampfes und des Kandidaten sowie die Starrsinnigkeit vieler Parteimitglieder eine Annäherung auf absehbare Zeit schwer.