Venezuelas Opposition hat nach eigenen Angaben fast zwei Millionen Unterschriften gesammelt, um ein Referendum zur Absetzung von Präsident Nicolás Maduro auf den Weg zu bringen. Dem Nationalen Wahlrat (CNE) in der Hauptstadt Caracas seien zunächst 80 Kisten mit etwa 1,85 Millionen Unterschriften zur Prüfung übergeben worden, teilte der Chef des Oppositionsbündnisses MUD, Jesús Torrealba, mit. Um Zwischenfälle mit gewaltbereiten Anhängern der Regierung zu vermeiden, seien die Kisten in der Nacht überreicht worden.

Zur Einleitung des Referendums sind in einem ersten Schritt rund 195.000 Unterschriften nötig, das entspricht einem Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung. Um das Referendum durchzusetzen, müssen in einem zweiten Schritt knapp vier Millionen Unterschriften gesammelt werden, was 20 Prozent der Wahlberechtigten gleichkommt. 

Die Wahlbehörde muss den formalen Antrag überprüfen. Gibt sie grünes Licht, muss die Opposition nochmals binnen drei Tagen vier Millionen Stimmen einholen, um das Referendum endgültig durchzusetzen. Sie hofft, es noch vor Jahresende abhalten zu können. Die Sorge ist allerdings groß, dass der den regierenden Sozialisten nahestehende Wahlrat den Prüfprozess hinauszögern könnte.

Sollte das Referendum erst nach Januar 2017 stattfinden und erfolgreich sein, würde nach der venezolanischen Verfassung lediglich der Vizepräsident übernehmen.

"Wir haben keine Angst vor euch", reagierte der einflussreiche Ex-Parlamentspräsident Diosdado Cabello auf die Freudenbekundungen der Opposition. "Wir werden jede Stimme einzeln prüfen", kündigte der Sozialist an.

Jüngsten Umfragen zufolge befürworten 68 Prozent der Venezolaner ein möglichst rasches Ende von Maduros Amtszeit sowie Neuwahlen. Die Menschen leiden unter einer dreistelligen Inflationsrate, die Konjunktur schwächt kontinuierlich weiter ab und immer mehr Verbrauchsgüter und sogar Strom sind in dem Ölförderland knapp.

Das südamerikanische Land verfügt zwar über die größten Erdölreserven der Welt, steht nach 16 Jahren sozialistischer Regierung aber vor dem Ruin und wird von einer schweren Energie- und Versorgungskrise erschüttert. Im Dezember hatte die Opposition die Parlamentswahl gewonnen.

Angesichts der schwierigen Lage reagiert die Regierung mit teils verzweifelten Maßnahmen: Zuletzt stellte sie die Uhrzeit eine halbe Stunde vor, um länger Tageslicht zu haben und damit Strom zu sparen.