Die amerikanische Nachrichtenagentur AP hat nachgezählt und gute Nachrichten für Hillary Clinton: Nimmt man die Ergebnisse der Vorwahlen sowie eine Umfrage unter den Superdelegierten zusammen, reicht es für die Präsidentschaftskandidatur. Für die Nominierung zum offiziellen Kandidaten sind bei den Demokraten mindestens 2.383 Delegiertenstimmen nötig.

Clinton hatte am Wochenende die Vorwahlen auf den Jungferninseln und Puerto Rico klar für sich entschieden. Danach lag sie noch rund zwei Dutzend Delegierte unterhalb der zu erreichenden Schwelle. In diese Zählung waren 543 Superdelegierte eingerechnet worden, die sich bereits öffentlich für Clinton ausgesprochen hatten. AP befragte nun weitere, bisher unentschiedene Superdelegierte, die mit ihrer Aussage Clinton über die Nominierungsschwelle brachten. Eine offizielle Zählung dazu gibt es nicht. 

Der TV-Sender CNN meldete nach eigenen Zählungen ebenfalls, dass Clinton sich die Nominierung gesichert habe: Bisher habe sie 1.812 Delegierte und 572 Superdelegierte für sich gewinnen können. Also insgesamt 2.384 – und damit eine Stimme mehr als für eine Kandidatur benötigt.

Dennoch bleibt für ihren letzten verbliebenen Rivalen Bernie Sanders bis zum Parteitag Ende Juli in Philadelphia theoretisch die Chance, die Superdelegierten noch umzustimmen.


Sanders' Stab spricht von "übereiltem Urteil"

Aus Sanders' Lager kam umgehend Widerspruch zu der Zählung. "Es ist sehr unglücklich, dass Medien in ihrem Drang nach einem Resultat die klare Vorgabe des demokratischen Parteikongresses missachten, wonach die Superdelegierten erst gezählt werden dürfen, wenn sie auf dem Parteitag abgestimmt haben", heißt es in einem Statement. Wen die Partei zu ihrem Präsidentschaftskandidaten küre, sei von den Superdelegierten abhängig, die ihre Meinung bis zum Parteitag immer noch ändern könnten, sagte Sanders' Sprecher Michael Briggs.

Die Aufgabe der Kampagne bestehe nun darin, die Superdelegierten davon zu überzeugen, dass Sanders der "bei Weitem stärkste Kandidat" gegen den republikanischen Donald Trump wäre. Den Vorwahlkampf für beendet zu erklären, ehe die Superdelegierten auf dem Parteitag ihre Stimme abgegeben hätten, sei ein "übereiltes Urteil".

Clinton wäre die erste Frau, die eine der großen Parteien in den USA in den Hauptwahlkampf ums Weiße Haus schickt. Vor acht Jahren hatte sich die 68-Jährige schon einmal um das höchste Staatsamt der USA beworben, unterlag jedoch im Vorwahlkampf dem späteren Präsidenten Barack Obama. Nominiert wird die voraussichtliche Präsidentschaftskandidatin formal im Juli auf dem Parteitag der Demokraten in Philadelphia.