Die knappe Mehrheit der Briten hat sich für einen Austritt aus der Europäischen Union entschieden. Laut offizieller Angaben aus der Auszählung überschritten die Befürworter eines Brexit die Grenze von 50 Prozent. Umfragen hatten ein gegenteiliges Bild ergeben.     

Vor allem in Wales und in Nordengland stimmten die Briten mit großer Mehrheit für den Austritt. In großen Städten sowie London, in Schottland und Nordirland waren die Bleiben-Befürworter stärker, die sich aber nicht durchsetzen konnten. 

Nigel Farage, Chef der Ukip-Partei der Europagegner, triumphierte. Der 23. Juni werde als Unabhängigkeitstag in die britische Geschichte eingehen, sagte er. "Lasst uns dieses kaputte System in Brüssel, die Flagge und die verfehlte Hymne in Brüssel runterreißen." Er forderte Premier David Cameron zum Rücktritt auf. Cameron hatte das Referendum zwar initiiert, bis zuletzt aber für ein Bleiben in der EU geworben. Er dürfte jetzt unter Druck auch seiner eigenen konservativen Partei geraten. Denn die Tories sind in der Frage der EU-Mitgliedschaft tief gespalten und geben ihrem Vorsitzenden eine Mitschuld für diesen parteiinternen Zwist.

Innerhalb Großbritanniens positionierten sich die Regionen unterschiedlich. Die Schotten sehen ihre Zukunft nach wie vor in der Europäischen Union, wie ihre Regierungschefin Nicola Sturgeon sagte. Die pro-irische Sinn Féin in Nordirland teilte dementgegen mit, jetzt verstärkt für einen Austritt der Provinz aus dem Vereinigten Königreich werben zu wollen. Der Ausgang des Referendums gebe den Bestrebungen für ein vereinigtes Irland neuen Auftrieb, sagt Parteichef Declan Kearney.

Deutsche Politiker reagierten enttäuscht. "Damn", twitterte Vizekanzler Sigmar Gabriel. "Ein schlechter Tag für Europa." Grünen-Chef Cem Özdemir schrieb, Camerons Versuch, Populisten durch das Referendum kleinzukriegen und in der EU zu zu bleiben, sei "gründlich in die Hose gegangen".

So steht es im EU-Referendum

Großbritannien hat über den Verbleib in der EU abgestimmt. Bisher sind 344 der 382 Wahlkreise ausgezählt.

Die Aussicht auf einen Austritt der Briten aus der 28 Mitglieder starken Gemeinschaft ließ die britische Währung abstürzen. Das Pfund brach im Vergleich zum Dollar um mehr als zehn Prozent ein, auf weniger als 1,33 Dollar, die Währung ist so billig wie seit 1985 nicht. Die Börsen öffnen um neun Uhr deutscher Zeit, auch hier wird ein Kurssturz erwartet. 

In Japan gab der Nikkei-Index an der Börse in Tokio nach den ersten Ergebnissen mehr als sieben Prozent nach. Die Börsen in Frankfurt, London und New York hatten am Donnerstag noch in Erwartung eines Siegs der EU-Anhänger deutlich im Plus geschlossen.

Die Finanzminister der sieben führenden Industrienationen (G 7) bereiteten Japan zufolge eine Erklärung vor, um die Märkte zu beruhigen, sollte die EU tatsächlich ihre zweitgrößte Volkswirtschaft verlieren. Für den Morgen wurde eine Pressekonferenz anberaumt.

Mit knapp 72 Prozent lag die Wahlbeteiligung hoch, trotz schlechten Wetters. Zur Parlamentswahl im vergangenen Jahr waren nur 66,1 Prozent der registrierten Wähler gegangen.

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