Standesbeamte im US-Bundesstaat Mississippi dürfen homosexuellen Paaren die Heiratslizenz nicht aus religiösen Gründen verweigern. Das hätte ein Teilgesetz ermöglicht, das am Freitag in Mississippi in Kraft treten sollte. US-Bundesrichter Carlton Reeves blockierte das nun. Standesbeamte müssten alle Paare gleich behandeln, sagte er.

Laut dem Richter verletzt das geplante Gesetz das Urteil des obersten Gerichtshofs von 2015, das die Homo-Ehe landesweit legalisiert hatte. Zwar könnten gewählte Abgeordnete weiterhin gegen die Homo-Ehe sein und grundsätzlich auf eine Verfassungsänderung hinarbeiten, sagte Reeves. Die Vergabe von Heiratslizenzen könne aber nicht in jeder Wahlperiode neu geregelt werden.

Gegen das Gesetz geklagt hatte die Initiative Campaign for Southern Equality. Ein Sprecher der Gruppe begrüßte die Entscheidung des Gerichts. Der Vizegouverneur von Mississippi, Tate Reeves, verurteilte sie hingegen. Das Urteil verweigere den Bürgern die freie Religionsausübung. Er forderte die Rechtsvertreter von Mississippi auf, in Berufung zu gehen.

Das widerrufene Gesetz ist Teil eines Gesetzespakets, das religiös begründete Einwände gegen Dienstleistungen für Homosexuelle in Mississippi regelt. In diesem Zusammenhang warten Anwälte nun auf zwei weitere Urteile in anderen Klageverfahren. Unter anderem geht es um die Frage, ob transsexuelle Schüler in Bildungseinrichtungen die Toiletten aufsuchen können, die ihrer geschlechtlichen Identität entsprechen.