Kommunikationsmechanismen zwischen dem chinesischen Festland und Taiwan seien derzeit ausgesetzt, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag einen Sprecher des Pekinger Büros für Taiwan-Angelegenheiten. Die Maßnahme sei erfolgt, weil sich Taiwans neue Regierung unter Präsidentin Tsai Ing-wen nach ihrem Amtsantritt nicht zum "Konsens von 1992" bekannt habe. Mit dieser Formel erkennen beide Seiten an, dass es nur "ein China" gibt, akzeptieren jedoch unterschiedliche Vorstellungen, was darunter verstanden wird.

Während Peking Taiwan als abtrünnige Provinz betrachtet, sieht sich die Inselrepublik als eigenständige Demokratie. Tsai Ing-wen hatte im Wahlkampf und nach ihrem Amtsantritt klargemacht, dass sie gegenüber Peking einen anderen Kurs einschlagen will als ihr Vorgänger Ma Ying-jeou, der sich Peking zuvor erheblich angenähert hatte.

In den vergangenen Jahren schlossen beide Länder zahlreiche neue Abkommen. Erstmals seit die Kommunisten in Peking 1949 die Macht übernommen und die unterlegenen Nationalchinesen sich auf die Insel Taiwan geflüchtet hatten, trafen sich im November sogar Ma Ying-jeou und Xi Jinping, die Führer beider Länder. Nun zeichnet sich ab, dass beide Seiten wieder deutlich auf Distanz gehen.

Zudem stritten die beiden Länder zuletzt immer wieder um die Auslieferung von Tatverdächtigen aus dem Ausland. Kenia, Malaysia und Kambodscha hatten in den vergangenen Monaten mehrfach Taiwaner nach China ausgeliefert, weil ihnen unter anderem Telefonbetrügereien vorgeworfen wurden. Taiwan protestiert dagegen, dass China die Verdächtigen nicht übergeben will und spricht von "Entführungen".