Mit dem Verweis auf Sicherheitsbedenken haben die türkischen Behörden ein Verbot der für Ende Juni geplanten Gay-Pride-Parade in Istanbul angekündigt. Die Stadtverwaltung der Metropole teilte mit, für eine Kundgebung oder eine Parade werde es "aus Gründen der Wahrung von Sicherheit und öffentlicher Ordnung" keine Genehmigung geben.  

Das Verbot bedeutet für Teilnehmer, dass sie festgenommen werden könnten. Die Stadtverwaltung rief die Bürger dazu auf, Aufrufen zur Teilnahme an der Parade nicht zu folgen. Die Gay Pride am 26. Juni soll der Höhepunkt einer Reihe von Veranstaltungen sein, die Aktivisten der Schwulen- und Lesbenszene in der Woche davor geplant haben. Die Veranstalter kritisierten das Verbot als "Verletzung der Verfassung und des Gesetzes". Sie warfen den Istanbuler Behörden vor, die Rechte der Bürger nicht zu schützen, und kündigten rechtliche Schritte an.

Die Gay Pride findet seit 2003 jedes Jahr am letzten Sonntag im Juni statt, um der Forderung nach Gleichberechtigung Homosexueller Gehör zu verschaffen.  

In Istanbul zieht die Gay Pride traditionell durch die berühmte Einkaufsstraße İstiklâl und endet am Taksim-Platz. In den vergangenen Monaten hatte es in Istanbul und in anderen türkischen Städten eine Reihe von Anschlägen durch kurdische Aktivisten sowie durch Islamisten gegeben, darunter auch in der İstiklâl-Straße: Dort tötete im März ein Selbstmordattentäter vier Menschen, darunter israelische Touristen.

Bei der Gay Pride in Istanbul hatte es bislang kaum Zwischenfälle gegeben, jedoch schockierte die Polizei die Teilnehmer im vergangenen Jahr mit einem gewaltsamen Vorgehen: Sie setzte vor dem Beginn der Parade Tränengas, Gummigeschosse und Wasserwerfer ein, um die Veranstaltung zu verhindern.

Vor der geplanten nächsten Gay Pride hatte die ultranationalistische Jugendbewegung Alperen Hearths gedroht, die Veranstaltung zu verhindern. "Wir wollen nicht, dass halb nackte Menschen mit Alkoholflaschen in den Händen durch unsere heilige Stadt laufen", sagte ihr Vorsitzender Kürşat Mican der Zeitung Hürriyet.

Homosexualität ist in der Türkei nicht verboten, allerdings klagen Schwule und Lesben in dem muslimisch dominierten Land häufig über Übergriffe.