Mehr als 200 Abgeordnete der Demokraten haben den Plenarsaal des US-Repräsentantenhauses blockiert. Mit ihrem 16 Stunden dauernden Sitzstreik wollen sie erreichen, dass über schärfere Waffengesetze entschieden wird. Die Demokraten lasen die Namen der Menschen vor, die in den vergangenen Jahren erschossen wurden. Debbie Dingell, Abgeordnete aus Michigan, hielt eine emotionale Rede: "Ich weiß, was es bedeutet, sich in einem Haus mit einem Mann aufzuhalten, der keine Waffe besitzen sollte. Ich weiß, was es bedeutet, wenn eine Waffe auf dich gerichtet ist und du dich fragst, ob du leben wirst."

Die Demokraten sind im Repräsentantenhaus in der Minderheit. Die republikanische Mehrheit hatte sich geweigert, über Gesetzesentwürfe abzustimmen, die das Recht auf Waffenbesitz einschränken sollen. So sollen unter anderem Menschen keine Waffen kaufen können, die auf der sogennanten No-Fly-Liste stehen. Dabei handelt es sich um eine Kartei, in der die US-Behörden Terrorverdächtige sammeln. Auch wird in den Entwürfen gefordert, dass es bei jedem Waffenkauf einen sogenannten Background-Check geben soll. Dieser kann in den USA etwa umgangen werden, wenn Waffen im Internet bestellt werden.

Der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, unterbrach die Sitzung, nachdem die Demokraten ihren Sitzstreik begannen. Als er später versuchte, wieder Kontrolle über den Saal zu gewinnen, riefen die demokratischen Abgeordneten "Schande! Schande! Schande!". Und skandierten später: "Kein Gesetz! Kein Ende!" Ryan schlug mit seinem Hammer mehrfach auf den Tisch, versuchte das Chaos zu beenden und gab schließlich auf. Ungeachtet des Protests entschieden die Republikaner, dass die Sitzung auf den 4. Juli vertagt werde. Die demokratischen Abgeordneten blieben im Saal.

Manchmal sei es notwendig, eine Regel zu brechen, um "ein übergeordnetes Gesetz, ein moralisches Gesetz, aufrechtzuerhalten", sagte John Lewis dem Nachrichtensender CNN. Der Abgeordnete aus Georgia war ein Redner bei dem Marsch auf Washington 1963 und hatte Anteil daran, dass die Rassentrennung in den USA beendet wurde. "Heute haben wir etwas erreicht, wir haben die Brücke hinter uns, aber noch weitere vor uns", bilanzierte Lewis im Anschluss. "Wenn wir im Juli wiederkommen, machen wir weiter." Die Amerikaner erwarteten, dass die Politik handelt.  

Ryan nannte den Sitzstreik einen Werbegag der Demokraten. Und Aufmerksamkeit dürften die Demokraten bekommen, viele Nutzer twitterten in der Nacht über die Aktion. Menschen demonstrierten außerhalb des Kapitols in Washington, um sich mit den Abgeordneten solidarisch zu zeigen.

Auch Präsident Barack Obama unterstütze die Aktion. In einer Nachricht auf Twitter bedankte er sich bei Lewis. Sein Sprecher sagte, der Sitzstreik zeige, wie frustriert und verärgert die Menschen darüber seien, dass die Republikaner ein neues Waffenrecht blockieren. Das Anliegen der Abgeordneten sei weder kontrovers noch radikal. Sie würden nur dafür werben, dass ein Konsens umgesetzt werde, für den es in den USA eine große Mehrheit gebe.