Ungarn will Flüchtlinge ohne Gerichtsverfahren nach Serbien oder Kroatien zurückschicken. Wie György Bakondi, Sicherheitsberater des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, mitteilte, sollen Menschen, die innerhalb von acht Kilometern hinter der Grenze in Ungarn aufgegriffen werden, zur Grenze zurückgebracht und ihnen dort der Weg zur nächsten "Transitzone" gezeigt werden. Dieses Vorgehen sei vom ungarischen Parlament genehmigt worden, so Bakondi.

In den sogenannten Transitzonen an der Grenze zu Ungarn können die Flüchtlinge Asylanträge stellen. Die Zonen liegen nach Auffassung der Regierung nicht auf ungarischem Boden.

Seit Anfang dieses Jahres habe Ungarn 17.351 illegal eingereiste Menschen aufgegriffen, sagte Bakondi. Im gesamten Jahr 2015 seien es rund 391.000 gewesen. Von insgesamt rund 199.000 Asylanträgen habe Ungarn 264 genehmigt.

Im September vergangenen Jahres hatte Ungarns Regierungschef Viktor Orbán beschlossen, die Grenzen zu Serbien und Kroatien komplett zu schließen. Er ließ daraufhin einen Grenzzaun errichten. Die ungarischen Behörden gingen dabei teilweise gewaltsam gegen protestierende Flüchtlinge vor.

Ein Referendum über die Verteilung von Flüchtlingen innerhalb der Europäischen Union wird nun in Ungarn am 2. Oktober stattfinden. Diesen Termin gab Staatspräsident János Áder in Budapest bekannt. Die Regierung von Ministerpräsident Orbán lehnt die von der EU beschlossene Verteilung von Flüchtlingen auf die verschiedenen Mitgliedstaaten ab und hatte den Volksentscheid darüber angesetzt. Dem Beschluss der EU zufolge sollen in den kommenden zwei Jahren 160.000 Flüchtlinge aus Griechenland und Italien auf die anderen Mitgliedsländer der EU verteilt werden. Auf Ungarn würden knapp 1.300 Asylsuchende entfallen.