Gewinnt Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl, dann dürfen künftig nicht einmal mehr Franzosen und Belgier immigrieren. Denn Trump will Amerika "wieder sicher" machen. Dazu gehört für ihn auch, dass all jene draußen bleiben müssen, deren Heimatländer "unter Terror zu leiden haben." Nimmt man ihm beim Wort, gelten seine Maßnahmen nach den islamistischen Anschlägen in Nizza, Paris und Brüssel also auch für Millionen von Europäern. Weiß Trump, was er da sagt?

Seine Abschlussrede beim Parteitag der Republikaner ist durchzogen von Paranoia. Der 70-Jährige sieht Feinde überall: Illegale Einwanderer an der Grenze zu Mexiko, radikale Islamisten im Nahen Osten und chinesische Investoren am anderen Ende des Pazifiks. So düster ist die Welt, die Trump in Cleveland beschreibt, dass er gleich selber klarstellt: "In diesem Rennen ums Weiße Haus bin ich der Law-and-Order-Kandidat."

Im Zentrum der Rede des frisch gekürten Präsidentschaftskandidaten steht ein Konzept, dass Trump "America First" nennt. Wie so viele Republikaner sieht er den Respekt für die USA überall auf der Welt bröckeln – die Schuld gibt er seiner demokratischen Konkurrentin Hillary Clinton und ihrer Politik der Diplomatie, des Freihandels und der weltweiten Kooperation. Dem stellt Trump eine Politik der Abschottung entgegen: "Amerikanismus, nicht Globalismus, wird unser Credo sein."

"Wir werden eine riesige Grenzmauer bauen"

Die USA, so sieht es Trump, waren in der Vergangenheit schlicht zu naiv. Vor allem gegenüber illegalen Migranten aus Süd- und Mittelamerika. Sie würden Morde begehen, Drogen verkaufen und das Lohnniveau drücken – und trotzdem vom demokratischen Establishment beschützt werden. "Build the wall!" brüllen die Delegierten in Cleveland – und Trump hat die passende Antworte parat: "Wir werden eine riesige Grenzmauer bauen." Grenze zu, Arbeitsplätze gerettet – so einfach funktioniert Volkswirtschaft im Trump-Universum.

Mit seiner Rede legt Trump sich fest: Er ist der Kandidat der weißen Mittelklasse. Deren Angehörigen hat er sein Programm gewidmet, es passgenau auf sie zugeschnitten. Den Respekt, den das alte Amerika so sehr vermisst, will Trump mit seiner isolationistischen Politik wiederherstellen: Keine Freihandelsabkommen mehr, die Nato-Partner sollen gefälligst ihre Beiträge zahlen und Flüchtlinge würde er am liebsten gar nicht aufnehmen.

Auch im Inland will Trump hart durchgreifen: Die Anschläge auf Polizisten in Baton Rouge und Dallas wertet er als nationale Kränkung. "Eine Attacke auf unsere Polizei ist eine Attacke auf ganz Amerika." Er werde die härtesten Strafverfolger einstellen, um den Behörden wieder den Respekt zu verschaffen, der ihnen gebührt. Trump will sich Amerika als Beschützer präsentieren – weiß er doch, dass auch die Bilder des Terroranschlags auf einen Nachtclub in Orlando die Menschen tief verunsichert haben.

In seiner Rede bedient Trump sich auch bei traditionellen republikanischen Forderungen: Die Steuern müssen runter. Regulierende Gesetze gleich ganz weg. Erst dann "kommen neue Firmen und Jobs zurück ins Land". Bei seiner Rede in Cleveland wird das Trump-Paradox besonders offensichtlich: Er, der Multimilliardär aus Manhattan, gibt sich als Fürsprecher des kleinen Mannes. Doch die Botschaft kommt bei den Delegierten gut an.