Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat das bedingungslose Bekenntnis der USA zum Schutz der Nato-Verbündeten infrage gestellt. Dies berichtet die New York Times und beruft sich dabei auf ein Interview, das Trump während des Parteitags seiner Partei in Cleveland in seinem Hotelzimmer gegeben haben soll. Demnach fragten die Journalisten den Geschäftsmann nach eigenen Angaben, ob er als Präsident den baltischen Staaten im Fall einer russischen Aggression zu Hilfe kommen würde. Trump soll geantwortet haben: Dies mache er davon abhängig, "ob diese Nationen ihre Verpflichtungen uns gegenüber erfüllt haben".

Trump spielt damit auch auf frühere Aussagen von ihm an, in denen er von den Nato-Verbündeten gefordert hatte, einen höheren Beitrag zur kollektiven Verteidigung zu leisten. Dem New-York-Times-Bericht zufolge räumt er ein, diese Haltung stelle einen radikalen Bruch mit der traditionellen Sicherheitspolitik der Republikanischen Partei dar. "Die Lage ist anders als vor 40 Jahren", zitierte ihn die Zeitung. Die Verbündeten dürften nicht mehr die Großzügigkeit Amerikas ausnutzen, die sich das Land nicht mehr leisten könne. Unter Hinweis auf das US-Handelsdefizit sagte Trump dem Blatt zufolge: "Wir geben ein Vermögen für das Militär aus, um dann 800 Milliarden Dollar zu verlieren. Das erscheint mir nicht so klug."

Mit seiner Forderung stellt Trump ein Gründungsprinzip der Nato infrage. Demnach zwingt ein bewaffneter Angriff auf ein Mitgliedsland die Bündnispartner zum Beistand. 2014 gründete die Allianz zudem eine besonders schnelle Eingreiftruppe für den Fall eines überraschenden Angriffs. Allerdings beklagen die USA seit Jahren, dass nicht alle Nato-Partner genug für Verteidigung ausgeben.

Das Team um Trump bemühte sich, die Zeitung zu diskreditieren. CNN sowie einem Reporter der Nachrichtenwebsite MotherJones zufolge soll Trumps Wahlkampfmanager Paul Manafort gesagt haben, der Kandidat sei falsch zitiert worden. Eine Stellungnahme von Trump selbst gab es zunächst nicht. Inzwischen hat die New York Times auch diesen Vorwurf gekontert und veröffentlichte eine Mitschrift des Interviews. Darin finden sich die zitierten Stellen und eine Aussage Trumps, wonach Putin und er sich gut verstehen würden.

In dem Interview gibt Trump auch weiteren Einblick in seine außenpolitische Agenda. So fand er für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und dessen Umgang mit dem Putschversuch lobende Worte. "Ich halte ihm zugute, dass er das wieder unter Kontrolle bekommen hat", zitiert ihn die New York Times. Auf die Frage, ob Erdoğan die Situation nicht ausnutze, um sich seiner politischen Gegner zu entledigen, antworte Trump, dass er den türkischen Führer nicht dazu aufrufe, Rechtsstaatlichkeit oder westliche Standards in der Justiz einzuhalten. Auch als Präsident würde er da keinen Druck ausüben. "Sehen Sie, was in unserem Land passiert", sagte Trump demnach. "Wie sollen wir Vorträge halten, wenn Menschen Polizisten kaltblütig erschießen?"