Durch Drohnen und andere Luftangriffe der USA sind nach offizieller Schätzung in den vergangenen Jahren bis zu 116 Zivilisten getötet worden. Dies geht aus einem Bericht des US-Geheimdienstkoordinators James Clapper hervor, der nun veröffentlicht wurde. Es ist das erste Mal, dass die US-Regierung Zahlen dazu öffentlich macht, wie viele Menschen außerhalb der Hauptkampfgebiete der Armee bei Luftangriffen gestorben sind.

In dem Bericht heißt es, dass in den Jahren 2009 bis 2015 bei 473 Luftangriffen bis zu 116 Zivilisten sowie 2.581 Kämpfer vor allem in den Ländern Pakistan, Jemen, Libyen und Somalia getötet worden seien. Afghanistan, Irak und Syrien werden nicht in der Statistik aufgeführt, da die USA dort an großen Militäroperationen beteiligt sind. Mit der Veröffentlichung des Berichts will Präsident Barack Obama seine Aussage erfüllen, so viele Informationen wie möglich über Drohnenangriffe publik zu machen. Seit er im Amt ist, werden mehr und mehr ferngesteuerte und unbemannte Fluggeräte eingesetzt, um Terroristen zu bekämpfen.

Das Geheimdienstdirektorium räumte ein, dass die Zahlen zu den getöteten Zivilisten deutlich unter denen liegen, die Nichtregierungsorganisationen (NGOs) veröffentlichen. Diese schätzen, dass seit 2009 "200 bis mehr als 900" Zivilisten getötet worden seien. Dass sich die Zahlen derart unterscheiden, wird in dem Bericht damit begründet, dass die US-Regierung über ganz andere technische und menschliche Ressourcen verfüge, um die Totenzahlen zu prüfen.

Obama unterzeichnete ein Dekret, das die Regeln für Luftangriffe verschärft. Es müssten "alle möglichen Vorsichtsmaßnahmen" getroffen werden, um den Tod von Zivilisten zu verhindern, hieß es darin. Die Streitkräfte sowie der Geheimdienst CIA sollten gegebenenfalls ihre Verantwortung für den Tod von Zivilisten anerkennen und mit dem Roten Kreuz und anderen Organisationen zusammenarbeiten.

Obama hatte im April den Tod unschuldiger Zivilisten durch Drohnenangriffe eingeräumt. Manche Kritik an diesen Einsätzen sei "legitim" gewesen, sagte er damals. Es gebe "keinen Zweifel, dass Zivilisten getötet wurden, die nicht getötet werden sollten". Allerdings seien die Einsatzbestimmungen für die Kampfdrohnen "so streng wie noch nie", sagte der US-Präsident.

Es werde immer darauf geachtet, dass zum Zeitpunkt des Einsatzes keine Frauen und Kinder anwesend seien und es sich beim Zielort nicht um ein Wohngebiet handle, sagte Obama. Nach Erkenntnissen der Stiftung New America, die US-Drohnenangriffe auswertet, verfügen die USA über mehr als 7.000 Drohnen, von denen 200 mit Waffen ausgerüstet sind.