Frankreich kommt nicht zur Ruhe: Nur wenige Tage nach dem Anschlag in Nizza hat es wieder einen Terrorangriff gegeben. In dem kleinen Ort Saint-Étienne-du-Rouvray in Nordfrankreich hatten zwei Angreifer am Morgen in einer Kirche Geiseln genommen. Sie seien bei einem Polizeieinsatz erschossen worden, teilte das Innenministerium mit. Nach Angaben der Ermittler hätten sie zuvor dem 86-jährigen Priester die Kehle durchgeschnitten. Bei dem anschließenden Polizeieinsatz wurde eine weitere Geisel schwer verletzt. Sie befinde sich in Lebensgefahr, sagte der Sprecher des Pariser Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet.

Die Ermittlungen übernahm die Antiterrorabteilung der Pariser Staatsanwaltschaft. Sie gab am Nachmittag bekannt, dass es in Zusammenhang mit dem Angriff eine Festnahme gab.

Frankreichs Präsident François Hollande und Innenminister Bernard Cazeneuve erreichten Saint-Étienne-du-Rouvray, einen Ort nahe Hollandes Heimatstadt Rouen, am Mittag. Der Angriff sei ein "terroristischer Anschlag" gewesen, sagte Hollande. Die Geiselnehmer hätten sich auf die Terrormiliz "Islamischer Staat" berufen. Dieser Angriff sei ein weiteres Zeichen dafür, dass sich Frankreich im Krieg mit dem IS befinde, sagte er. "Wir müssen diesen Krieg mit all unseren Mitteln führen", so Hollande.

Die mit Messern bewaffneten Angreifer hatten am Morgen in dem kleinen Ort Saint-Étienne-du-Rouvray nahe der Stadt Rouen die Kirche während einer Zeremonie gestürmt und den Priester, zwei Nonnen und zwei weitere Gläubige gefangen genommen, teilte die Polizei mit. Spezialeinheiten der Polizei, das BRI, waren sofort vor Ort. Als die Geiselnehmer aus der Kirche stürmten, seien sie von den Einsatzkräften erschossen worden.

Geiselnahme in der Normandie

Eine Augenzeugin verglich die Tat in der Kirche später mit einer Hinrichtung. "Sie haben ihn auf die Knie gezwungen", sagte die Nonne dem Sender RMC. "Er hat versucht, sich zu verteidigen, und dann hat das Drama begonnen." Demnach filmten die Täter die Szene. "Sie haben am Altar so etwas wie eine Predigt auf Arabisch gehalten. Es war ein Horror", sagte die Frau. Der getötete Priester sei ein außergewöhnlicher Mensch gewesen. Sie sei unbemerkt geflohen, als einer der Täter dem anderen ein Messer gereicht habe, sagte die Nonne. Die als Schwester Danielle bezeichnete Frau alarmierte daraufhin nach eigenen Angaben einen Autofahrer.

Zur Identität der Angreifer gibt es noch keine Angaben. Der IS reklamierte nach wenigen Stunden die Tat für sich: Es handele sich um zwei "Soldaten des IS", teilte die IS-nahe Medienstelle Amaq mit. Die beiden seien dem Aufruf gefolgt, Angriffe auf Länder auszuführen, die in Syrien und dem Irak Luftangriffe gegen den IS fliegen. Ähnliche Erklärungen gab es auch nach den Anschlägen von Ansbach, Würzburg, Orlando und Nizza. Mit einem unmittelbaren Bekennerschreiben des IS sind sie nicht gleichzusetzen. Eher hat es den Anschein, dass der IS diesen Weg immer dann wählt, wenn er eine bestimmte Tat zwar "adoptieren" möchte, den oder die Täter aber nicht kennt.

Der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun, befand sich während des Angriffs beim Weltjugendtag in Krakau, wird aber nach Frankreich zurückkehren. "Ich schreie zu Gott, zusammen mit allen Menschen guten Willens", schrieb Lebrun in einer Stellungnahme. "Ich möchte auch die nicht gläubigen (Menschen) bitten, in diesen Schrei einzustimmen." Die katholische Kirche habe keine anderen Waffen als "Gebete und Brüderlichkeit unter den Menschen", schrieb der Bischof. "Ich lasse hier (in Krakau) Hunderte junger Menschen zurück, die die Zukunft der Menschheit sind, und ich rufe sie auf, nicht vor der Gewalt zu kapitulieren, sondern Apostel der Zivilisation der Liebe zu sein.