Seit 1969 unterhält Großbritannien eine U-Boot-Flotte mit nuklearer Bewaffnung. Nun sollen die ins Alter gekommenen Boote ersetzt werden. Nach einer stundenlangen Debatte im Parlament stimmten 472 Abgeordnete für das bis zu 40 Milliarden Pfund (bis zu 48 Milliarden Euro) teure Rüstungsprogramm, 117 waren dagegen. 

Die konservative Premierministerin Theresa May sagte, die atomare Abschreckung sei "zentraler Teil der nationalen Sicherheit und Verteidigung" Großbritanniens. "Wir können unsere ultimative Absicherung nicht aufgrund eines unangebrachten Idealismus aufgeben. Das wäre ein waghalsiges Glücksspiel", sagte May. Gegnern der atomaren Bewaffnung warf sie vor, "die Feinde des Landes" zu verteidigen.

Die britische U-Boot-Flotte besteht aus vier U-Booten der Vanguard-Klasse. Jeweils eines der Schiffe befindet sich seit 1969 ständig auf hoher See. Im Falle eines atomaren Angriffs auf das Vereinigte Königreich stünden die mit nuklearen Sprengköpfen bestückten Raketen für einen Vergeltungsschlag zur Verfügung. Die Schiffe sollen nun nach und nach durch Nachfolgermodelle ersetzt werden.

Labour-Chef unter Druck

Die Abstimmung im britischen Unterhaus offenbarte erneut den Riss, der durch die Labour-Partei geht. Während sich Parteichef Jeremy Corbyn gegen eine Erneuerung der U-Boot-Flotte aussprach, stimmte die Mehrheit seiner Fraktion für das Rüstungsprogramm.

Corbyn forderte die Abrüstung des britischen Atomwaffenarsenals und bezeichnete nukleare Abschreckung als "Drohung mit Massenmord" – zum Unmut vieler seiner Fraktionskollegen.

Seit Wochen schon steht Corbyn unter großem Druck in der eigenen Fraktion. Er gilt vielen Abgeordneten der Labour-Partei als zu links. Erst im Spätsommer 2015 war er von einer großen Mehrheit der Parteimitglieder ins Amt gewählt worden. Die Partei steuert inzwischen jedoch auf eine erneute Urabstimmung über das Amt des Parteivorsitzenden zu. Als mögliche Herausforderer werden derzeit die Abgeordneten Angela Eagle und Owen Smith gehandelt.