Nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei hat das Bildungsministerium mehr als 15.000 Mitarbeiter vom Dienst suspendiert. Die Hochschulverwaltung rief fast 1.600 Dekane und die Rektoren aller Universitäten auf, ihren Rücktritt einzureichen. Zuvor war bekannt geworden, dass fast 20.000 Angehörige von Polizei, Verwaltung, Justiz und Armee festgenommen oder abgesetzt worden sind.

Nach Ministeriumsangaben sind die Suspendierungen Teil der Operationen gegen Anhänger des Predigers Fethullah Gülen, der im Exil in den USA lebt. Gegen sie seien Ermittlungen eingeleitet worden. 

Die Regierung und Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan machen Anhänger Gülens, einem Rivalen Erdoğans, für den Putschversuch verantwortlich und haben angekündigt, dessen Organisation zu zerstören. Gülens Bewegung habe den Staatsapparat unterwandert, so der Vorwurf. Von den USA fordert die Türkei die Auslieferung Gülens, ein offizieller Antrag wurde aber noch nicht gestellt.

Der 75-jährige Gülen sieht sich seit Längerem mit Putschvorwürfen konfrontiert. Im Februar begann ein Prozess gegen den pensionierten Imam und 121 seiner mutmaßlichen Anhänger wegen Bildung einer "bewaffneten terroristischen Vereinigung zum Sturz der Regierung". Die mehr als 10.000-seitige Anklageschrift wirft der "Fethullistischen Terrororganisation" (FETÖ) zudem Spionage und illegale Abhörmaßnahmen gegen zahlreiche Politiker, Journalisten und Unternehmer vor – sowie die Fälschung von Beweisen in Ermittlungsverfahren.

Im laufenden Verfahren gegen Gülen treten Erdoğan, der damalige Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu, mehrere Minister und der Geheimdienstchef Hakan Fidan als Nebenkläger auf. Der Umsturzvorwurf bezieht sich allerdings nicht auf einen versuchten Militärputsch. Vielmehr sieht Erdoğan in einem im Dezember 2013 angelaufenen Korruptionsermittlungsverfahren gegen sein engstes Umfeld, darunter mehrere daraufhin zurückgetretene Minister und sein Sohn Bilal, einen Justizputsch von Gülen-nahen Juristen gegen seine Regierung.

Zahlreiche Sendelizenzen entzogen

Ähnliche Aktionen gab es bereits in Justiz und Militär, Verwaltung und religiösen Behörden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Anadolu wurden beim Geheimdienst MIT 100 Angestellte suspendiert. Diese hätten aber keinen Zugang zu Geheimdienstinformationen gehabt. Die Nachrichtenagentur DHA meldete, im Amt des Ministerpräsidenten seien mehr als 250 Menschen von ihren Aufgaben entbunden worden. Laut CNN Türk suspendierte die Religionsbehörde Diyanet fast 500 Mitarbeiter. Insgesamt stieg die Zahl der Suspendierungen aus dem öffentlichen Dienst seit Niederschlagen des Putschversuches auf etwa 29.000. Die massiven Entlassungen lösten international Besorgnis aus.

Unterdessen entzog auch die Telekommunikationsbehörde RTÜK insgesamt 24 Radio- und Fernsehsendern die Sendelizenz. Die Behörde teilte mit, bei ihnen seien Verbindungen zur Gülen-Bewegung festgestellt worden.