Die Präsidentengarde der türkischen Armee soll nach dem gescheiterten Umsturzversuch aufgelöst werden. Das sagte Regierungschef Binali Yıldırım dem Fernsehsender A Haber. "Es wird keine Präsidentengarde mehr geben, sie hat keinen Zweck, es gibt keinen Bedarf", sagte er.  

Bei den Ermittlungen der türkischen Regierung zu den Verantwortlichen des Putschversuchs gegen Präsident Recep Tayyip Erdoğan war die Präsidentengarde zuletzt in den Fokus geraten. Die Regierung teilte mit, dass Haftbefehle gegen 300 Mitglieder der Elitetruppe erlassen wurden. Der Fernsehsender CNN Türk berichtete, basierend auf dieser Grundlage seien 283 Mitglieder der Präsidentengarde festgenommen worden. Die Truppe besteht aus 2.500 Mitgliedern. Insgesamt habe sich die Zahl der Festgenommenen, die verdächtigt werden am Putschversuch beteiligt gewesen zu sein, auf 13.000 Personen erhöht, sagte Yıldırım.

Erdoğan hat nach dem gescheiterten Umsturz den Ausnahmezustand im Land verhängt. Damit kann die Regierung weitgehend per Dekret regieren. Die Dauer des Ausnahmezustands wurde auf mindestens drei Monate festgelegt. In seinem Fernsehinterview sagte Yıldırım, es werde wohl keine Verlängerung geben. Die Dauer von drei Monaten werde nur in einem Notfall überschritten, betonte der Regierungschef.

Offenbar Gülens Neffe festgenommen

Tausende prokurdische Demonstranten verurteilten bei einer Kundgebung sowohl den Putschversuch, als auch den Ausnahmezustand. "Gegen den Putsch zu kämpfen ist richtig, legitim, gerechtfertigt. Aber die Maßnahmen, die sie ergriffen haben, werden den Weg für mehr Ungerechtigkeiten ebnen", sagte der Vorsitzende der prokurdischen HDP-Partei, Selahattin Demirtaş, über die Regierung. Die HDP hatte zu der Demonstration aufgerufen. Demirtaş forderte, von "Gewalt, Hass und Polarisierung" Abstand zu nehmen. "Die Gesellschaft erwartet von uns Frieden", sagte Demirtaş.

Am Abend des 15. Juli hatten Teile des Militärs versucht, die Macht in der Türkei zu übernehmen. Die Regierung erklärte den versuchten Staatsstreich am darauffolgenden Tag für gescheitert. Noch ist nicht klar, wer hinter dem Putschversuch steckt. Erdoğan macht aber den in den USA lebenden Prediger Fethulla Gülen verantwortlich. Der Neffe des Predigers, Muhammet Sait Gülen, ist offenbar von den türkischen Behörden festgenommen worden. Ein Regierungssprecher teilte mit, dass auch Hails Hance, der als wichtiger Berater Gülens gilt, festgenommen wurde. Hanci sei für den Transfer von Geldern an Gülen zuständig gewesen. Er sei anscheinend zwei Tage vor dem Putschversuch in die Türkei gekommen.