Der Journalist und ehemalige Onlinechef der Zeitung Hürriyet, Bülent Mumay, ist von der türkischen Polizei festgenommen worden. Das berichteten die ZEIT-Journalistin Özlem Topçu und die Frankurter Allgemeine Zeitung (FAZ), für die Mumay als Kolumnist arbeitete. Auch für die DIE ZEIT und die taz schrieb er Beiträge.

Anfang dieser Woche hatte die türkische Regierung Haftbefehle gegen 42 türkische Journalisten erlassen, auch Mumay Name stand auf der Liste. Wie die FAZ mitteilte, wollte der türkische Journalist zusammen mit seinem Anwalt der Aufforderung der türkischen Polizei am Mittwoch Folge leisten und vor dem Haftrichter erscheinen. Doch schon am Dienstagabend stürmte die Polizei seine Wohnung und nahm ihn fest. Was den 42 Journalisten konkret vorgeworfen wird, ist unklar. Ihre Gemeinsamkeit ist jedoch ihre kritische Haltung gegenüber Staatspräsident Erdoğan und der AKP.

Auch Mumay ist als Kritiker Erdoğans aufgefallen, er ist jedoch kein Anhänger der Gülen-Bewegung, die der Präsident hinter dem Putschversuch vermutet. In einem Interview mit der taz hatte Mumay gesagt, Erdoğan und die AKP nutzten den Militärputsch, um die Opposition und Kritiker mundtot zu machen. "Wenn sich die Regierung an jemandem rächen will, setzt sie die Person einfach auf eine Liste. Man wird einfach zum Bösewicht erklärt", sagte er. Die Regierung könne keinerlei Kritik ertragen. "Das wird also vermutlich der Grund sein, warum ich nun auf dieser Liste stehe", sagte er.

Bülent Mumay hat auch nie für Gülen nahestehende Medien gearbeitet. Auf Druck der Regierung verlor er seinen Posten bei Hürriyet und schrieb seitdem nur noch für internationale Zeitungen. In der Türkei war er mit Journalisten- und Menschenrechtspreisen für seine Arbeit ausgezeichnet worden.

Am Mittwoch hatte die Justiz zudem Haftbefehle gegen 47 frühere Mitarbeiter der Zeitung Zaman erlassen. Diese stand bis zur staatlichen Übernahme der Bewegung von Prediger Gülen nah. Nach dem gescheiterten Militärputsch hatte die Regierung bereits zahlreiche kritische Journalisten ins Visier genommen und Dutzende Haftbefehle ausgestellt.