Türkei: Der gescheiterte Putsch

Die türkische Regierung reagiert auf den Putsch mit der Absetzung Tausender Richter. Die Todesstrafe soll eingeführt werden. Das News-Blog zum Nachlesen
Ein Polizist bewacht nach dem Putschversuch einen Panzer © Burak Kara/Getty Images

Der Kurzüberblick:

Am Tag nach dem gescheiterten Putschversuch des türkischen Militärs hat die Regierung  die Initiative übernommen. Sie nahm Tausende am Putsch beteiligte Soldaten fest. Zudem setzte sie Tausende Richter ab. Präsident Recep Tayyip Erdoğan machte den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen und seine Anhänger mitverantwortlich für den Putsch. Er forderte von der US-Regierung die Auslieferung des Predigers.

Die Regierung rief wie auch schon in der Putschnacht die Menschen dazu auf, für die Demokratie auf die Straße zu gehen. In vielen Städten versammelten sich daraufhin zahlreiche Putsch-Gegner, sie feierten den Sieg der Regierung über die Putschisten.

Die türkischen Abgeordneten kamen am Samstagnachmittag zu einer Sondersitzung zusammen. Sie tagten im teilweise beim Putsch zerstörten Parlamentsgebäude. Alle sonst so verfeindeten Parteien verabschiedeten eine Erklärung, in der sie den Putsch verurteilten.

Bei dem Putsch hatten am späten Freitagabend Teile des türkischen Militärs die Machtübernahme im Land erklärt. Sie verhängten das Kriegsrecht sowie eine Ausgangssperre.
Stadtteile Istanbuls und der Hauptstadt Ankara waren abgeriegelt. Es gab Gefechte und Explosionen. Die türkische Führung meldete am frühen Morgen des Samstags, die Lage sei unter Kontrolle. Es habe 265 Toten gegeben.

Alle Fakten zum Putschversuch in der Türkei finden Sie in diesem FAQ, eine erste Einschätzung zu den Ereignissen in der Nacht hier. Eine Reportage aus Istanbul finden Sie hier, eine erste Analyse, was die Folgen des gescheiterten Putsches sein könnten hier.

  • 22:33 Uhr
    Jasper Riemann

    Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat vor "Rache und Willkür" in der Türkei gewarnt. Die Rechte von Beschuldigten und Verdächtigen müssten geschützt werden. Das gehöre zu den Grundpfeilern eines demokratischen Rechtsstaats. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte nach dem Putsch eine "vollständige Säuberung" des Militärs angekündigt und den Putschversuch daher als "Segen Gottes" bezeichnet.

  • 22:05 Uhr
    Jasper Riemann

    Eine Gruppe türkischer Soldaten ist in die griechische Hafenstadt Alexandroupolis geflogen. Dort sollen die Militärs den Hubschrauber abholen, mit dem sich acht Putschisten zuvor nach Griechenland abgesetzt und dort politisches Asyl beantragt hatten. Entsprechende Videoaufnahmen waren im griechischen Fernsehen zu sehen.

    Ob und wann die Putschisten selbst an die Türkei ausgeliefert werden sollen, ist unklar. Griechische Juristen rechnen mit einem Asylverfahren, das bis zu 20 Tage dauern könnte.

  • 20:54 Uhr
    Ragnar Vogt

    Alle ansonsten so verfeindeten Parteien im türkischen Parlament haben eine gemeinsame Erklärung beschlossen. Darin verurteilen sie den Putschversuch des Militärs. Im Text heißt es: "Diese edle Nation, die die Republik Türkei und ihre Institutionen mit ihrem Leben verteidigt hat, verdient es, gelobt und gepriesen zu werden. Unsere Nation ist dankbar und sie wird immer den dabei gefallenen Helden gedenken."

    Den ins englische übersetzen Wortlaut der Erklärung finden Sie hier.

  • 20:18 Uhr
    Alina Schadwinkel

    Ägypten blockiert einen Beschluss des UN-Sicherheitsrats, in dem die Gewalt und die Unruhen in der Türkei verurteilt werden sollten. Die Regierung in Kairo lehnt nach Angaben von Diplomaten insbesondere einen Passus ab, in dem alle Parteien aufgefordert werden, die "demokratisch gewählte Regierung der Türkei" zu respektieren. Der UN-Sicherheitsrat befinde sich nicht in der Position, zu beurteilen, ob eine Regierung demokratisch gewählt sei oder nicht.

  • 20:15 Uhr
    Alina Schadwinkel

    Warum sich dem Putsch so viele Menschen entgegengestellt haben? "Zum einen gibt es die Unterstützer Erdoğans, die den Regierungschef teils abgöttisch lieben", sagt Kristian Brakel, Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung Istanbul. "Zum anderen gibt es Leute im linken Spektrum, die sich aus Prinzip gegen das Militär stellen, auch wenn für sie Erdoğan die Wurzel allen Übels darstellt.“

  • 20:12 Uhr
    Ragnar Vogt

    Seit dem Putschversuch ist der Luftraum der Türkei für Militärflugzeuge gesperrt. Dadurch können die USA und ihre Verbündeten nicht mehr von dem türkischen Stützpunkt Incirlik aus ihre Angriffe auf die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) im Irak und in Syrien fliegen.

    Die USA drängen nun darauf, bald wieder von der Türkei aus starten zu dürfen. "US-Vertreter arbeiten mit den Türken daran, dass die Luftoperationen so schnell wie möglich fortgesetzt werden können", sagte ein Pentagon-Sprecher. In der Zwischenzeit würden die Einsätze gegen den IS von anderen Stützpunkten in der Gegend geflogen.

  • 19:54 Uhr
    Alina Schadwinkel

    Erdoğan hat von den USA die Auslieferung von Fethullah Gülen verlangt. Er macht den islamischen Prediger und dessen Anhänger in der Türkei für den Putschversuch verantwortlich. Gülen hat sich bereits distanziert und die Rebellion verurteilt.


    Unbestritten ist: Gülen ist Erdoğans Staatsfeind Nummer eins. Aber ist ihm tatsächlich ein Militärputsch zuzutrauen? Lesen Sie hier mehr.

  • 19:44 Uhr
    Alina Schadwinkel

    Der türkische Ministerpräsident Binali Yıldırım will prüfen, ob die Todesstrafe wieder eingeführt werden kann. Während eines Auftritts in Ankara skandierten Regierungsanhänger: "Wir wollen die Todesstrafe! Wir wollen die Todesstrafe!" Yıldırım sagte darauf: "Eure Botschaft ist bei uns angekommen. Das Nötige wird veranlasst."

    Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat bereits davor gewarnt: "Die Türkei hat sich vereint, um die Rechte gegen eine vermeintliche Junta zu verteidigen", teilte Mitarbeiter Andrew Gardner auf Twitter mit. Eine Rückkehr zur Todesstrafe würde diesen "Sieg" zunichte machen.

  • 19:28 Uhr
    Alina Schadwinkel

    "Deutsche Soldaten sollen den Luftwaffenstützpunkt Incirlik zwar nicht verlassen, aber er ist nicht abgeriegelt", wie ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr auf Anfrage von ZEIT ONLINE mitgeteilt hat. In der Nacht habe der Kommandant beschlossen, die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen. Nun herrsche die höchste Sicherheitsstufe, "das Haupttor aber ist geöffnet".

  • 19:20 Uhr
    Alina Schadwinkel

    Foto: Getty Images

    Demonstranten stehen unter Beschuss, Menschen stellen sich Panzern in den Weg – weitere Bilder aus der Nacht des Putschversuchs finden Sie in dieser Fotostrecke. Foto: Getty Images 

  • 19:08 Uhr
    Alina Schadwinkel

    Die türkische Polizei hat einen hochrangigen Richter am obersten Gerichtshof festgenommen, wie der Sender CNN Türk berichtet. Alparslan Altan ist der bisher oberste Jurist, der verhaftet wurde.

  • 18:45 Uhr
    Alina Schadwinkel

    © AFP/ADEM ALTANDemonstranten schauen sich am Tag nach dem Putschversuch ein zerstörtes Auto auf dem Kızılay-Platz im Zentrum Ankaras an. Foto: AFP

  • 18:27 Uhr
    Ragnar Vogt

    Der Putschversuch hat weltweit für Empörung gesorgt. "Panzer auf den Straßen und Luftangriffe gegen die eigene Bevölkerung sind Unrecht", sagte Kanzlerin Angela Merkel. Wir haben die internationalen Reaktionen hier zusammengetragen.

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