Ein Teil des türkischen Militärs hat die Machtübernahme in der Türkei verkündet. In einer Erklärung hieß es, damit sollten die demokratische Ordnung erhalten und Menschenrechte geschützt werden.

Alle Entwicklungen zu dem Putsch in der Türkei finden Sie in unserem Live-Blog.


Priorität habe die Rechtsstaatlichkeit, hieß es in der Erklärung weiter. Die Beziehungen zum Ausland würden unverändert weiter beibehalten.

Der Sender CNN Türk meldete unterdessen, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sei in Sicherheit. Zuvor hatte Ministerpräsident Binali Yıldırım von einem Putschversuch gesprochen und erklärt, Sicherheitskräfte seien im Einsatz.

Yıldırım verurteilte einen "illegalen Versuch" durch eine "Gruppe" im Militär. Die Beteiligten an dem Putschversuch würden "den höchsten Preis" zahlen, sagte Yıldırım.

In Istanbul haben Einsatzkräfte laut Medienberichten die beiden Brücken über den Bosporus teilweise geschlossen. Sämtlicher Verkehr von der asiatischen Seite in Richtung der europäischen Seite sei gestoppt, meldete der Fernsehsender NTV. Der Verkehr in die andere Richtung lief bisher weiter.

Zugleich waren laut einem AFP-Reporter türkische Kampfflugzeuge im Tiefflug über der Hauptstadt Ankara zu hören. Augenzeugen berichteten von Kampfhubschraubern. Die Nachrichtenagentur DHA meldete, in der türkischen Hauptstadt habe die Polizei das gesamte Personal zum Dienst gerufen.

Im Militärhauptquartier in Ankara sind nach einem Bericht des Senders CNN Türk Geiseln genommen worden. Unter ihnen befinde sich der Nachrichtenagentur Anadolu zufolge der Militärstabschef. In der Nähe des Polizeihauptquartiers seien Schüsse zu hören gewesen.

In der Türkei hatte das Militär bereits in den Jahren 1960, 1971 und 1980 geputscht. Später entwickelte sich das Land zu einer stabilen Demokratie, die nach der Wahl von Recep Tayyip Erdoğan zum Ministerpräsidenten 2003 auch wirtschaftlich florierte.

Zuletzt häuften sich allerdings die Krisen, dem inzwischen zum Präsidenten gewählten Erdoğan wird ein immer autoritärerer Regierungsstil vorgeworfen. Mehrfach wurde die Türkei in den vergangenen Monaten von schweren Terroranschlägen mit Hunderten Toten erschüttert, die der Terrormiliz "Islamischer Staat" oder kurdischen Rebellen zugeschrieben wurden.