Angesichts der schweren Versorgungskrise im ölreichen Venezuela haben fast 100.000 Bürger des südamerikanischen Landes eine kurzfristige Grenzöffnung zu Einkäufen im Nachbarland Kolumbien genutzt. Die Menschen kauften dort am Wochenende Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs ein. Seit Samstag seien 98.000 Menschen in den Bundesstaat Norte de Santander gekommen, berichtete die Zeitung El Tiempo.

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hatte am Samstag den Grenzübergang für eine befristete Zeit freigegeben. Venezolaner konnten dann mit einem Personalausweis die beiden Brücken ins Nachbarland Kolumbien überqueren. Die venezolanische Nationalgarde und Soldaten beider Staaten waren im Einsatz, um die Menschenmengen zu kanalisieren.

Bereits am vergangenen Wochenende waren Tausende Venezolaner zum Einkaufen nach Kolumbien gekommen. Die venezolanische Regierung hatte die Grenze vor rund einem Jahr geschlossen. Damit wollte sie den Schmuggel subventionierter Produkte aus Venezuela nach Kolumbien und das Eindringen bewaffneter Gruppen verhindern. Anfang August wollen die Außenministerinnen beider Länder über die Grenzsituation beraten.

Venezuela leidet seit Monaten unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise. In den Supermärkten des südamerikanischen Landes fehlt es an Nahrungsmitteln und alltäglichen Dingen. Den Krankenhäusern gehen die Medikamente aus. Wegen des niedrigen Ölpreises verfügt Venezuela nicht über genügend Devisen, um Rohstoffe und Importwaren einzuführen.

Die sozialistische Regierung von Präsident Nicolás Maduro macht für die Krise einen vom Ausland und Unternehmerkreisen angezettelten "Wirtschaftskrieg" verantwortlich. Nach Einschätzung von Regierungskritikern und ausländischen Beobachtern hingegen hat die Regierung die Misere durch eine verfehlte Wirtschaftspolitik selbst herbeigeführt.