Im Syrien-Konflikt signalisiert die russische Regierung ihre Bereitschaft zu 48-stündigen Feuerpausen in der belagerten Stadt Aleppo. Kommende Woche könne es eine erste dieser wöchentlichen "humanitären Pausen" geben, teilte das Moskauer Verteidigungsministerium bei Twitter mit.

Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, hatte gefordert, die Kampfhandlungen in Aleppo für jeweils mindestens 48 Stunden zu unterbrechen. So viel Zeit sei nötig, um die Eingeschlossenen zu versorgen. Der von islamistischen Rebellen kontrollierte Osten der Stadt ist von den syrischen Regierungstruppen und ihren Verbündeten eingekesselt. Dort sollen auch etwa 250.000 Zivilisten eingeschlossen sein.

Russland, das Syriens Präsident Baschar al-Assad unterstützt, hatte bisher tägliche dreistündige Feuerpausen zur Versorgung der Menschen angeboten. Darauf waren die Aufständischen aber nicht eingegangen.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) begrüßte Russlands Ankündigung. , angesichts der humanitären Krise in Aleppo wöchentlich eine 48-stündige einzuhalten. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, eine Feuerpause in der nordsyrischen Stadt sei "ein entscheidender Schritt, um die Menschen vor Ort mit den dringend benötigten Nahrungsmitteln, medizinischer Hilfe und sauberem Wasser versorgen zu können".

Steinmeier sei nach seinem Besuch im russischen Jekaterinburg am Montag in engem Kontakt mit den Vereinten Nationen und dem UN-Sonderbeauftragten de Mistura gewesen, um die Voraussetzungen für eine längere Waffenpause zu klären.

Videoaufnahme eines Kindes zeigt täglichen Schrecken in Aleppo

Am Morgen waren die Bilder eines in Aleppo verletzten kleinen Jungen um die Welt gegangen und hatten die Aufmerksamkeit erneut auf das Leiden der Bevölkerung im seit mehr als fünf Jahren andauernden syrischen Bürgerkrieg gelenkt. Sie wurden über Social Media tausendfach verbreitet. Das oppositionelle Aleppo Media Center hatte das Video hochgeladen. Nach Angaben des Fotografen Mahmud Raslan zeigt es den vierjährigen Omran nach dem Bombardement von Katerdschi, einem von Rebellen kontrollierten Viertel von Aleppo. Der kleine Junge ist zu sehen, wie er verletzt in einem Krankenwagen sitzt, sein Gesicht blutverschmiert, der Körper von Staub bedeckt.  

Mittlerweile sei der nur leicht verletzte Omran zurück bei seinen Eltern, berichtete der Fotograf am Donnerstag nach einem Besuch bei der Familie. Die Eltern und alle vier Kinder seien bei dem Angriff unter Trümmern begraben, aber gerettet worden. Eine Stunde nach dem Angriff sei das gesamte Gebäude eingestürzt.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) ist in "größter Sorge" um die Menschen im Osten Aleppos. Durch die neue Versorgungsroute der Opposition im Süden der syrischen Stadt komme zwar "ein wenig" Hilfe in das Kriegsgebiet, sagte WFP-Syrien-Direktor Jakob Kern der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. "In großem Stil kann dort aber keine Hilfe hineingebracht werden."

Der von Rebellen gehaltene Ostteil Aleppos war bis Anfang August eine Zeit lang von der Außenwelt abgeschnitten, nachdem Regimekräfte die einzige Nachschubroute gekappt hatten. Deswegen herrscht dort ein Mangel an Lebensmitteln, Trinkwasser und medizinischem Material. Mittlerweile haben Rebellen eine neue Versorgungsroute freigekämpft, um die es jedoch heftige Gefechte gibt. Laut Kern verteilt das WFP im Osten Aleppos nur halbe Rationen, "weil die Leute wissen, dass es sonst nicht mehr reicht".

Eine von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) vorgeschlagene Luftbrücke zur Versorgung der Menschen hält Kern für unrealistisch. Über besiedelten Gebieten sei es zu gefährlich, Güter aus großer Höhe abzuwerfen. Wenn die Fallschirme sich nicht öffneten, könnten sie "zu Bomben werden", sagte er. Die 48-stündigen Waffenruhen seien nötig, um Hilfskonvois auf den Weg bringen zu können.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini forderte im Namen aller Mitgliedsstaaten eine sofortige Waffenruhe für Aleppo. Die anhaltenden Bombenangriffe und Belagerungen behinderten die Hilfsbemühungen der internationalen Gemeinschaft.