Nach seinen umstrittenen Äußerungen über die Familie eines getöteten US-Soldaten bekommt der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump heftigen Gegenwind von US-Kriegsveteranen. Die Veterans of Foreign Wars (VFW) erklärten, ihre Organisation werde es auch in einem Wahljahr "nicht tolerieren", dass Angehörige getöteter Soldaten beschimpft würden, die ihr Recht auf freie Meinungsäußerung ausübten. Trump habe mit seinen Äußerungen zur Familie Khan eine Grenze überschritten.

Auch US-Präsident Barack Obama hat im Streit zwischen Trump und den Eltern des getöteten Soldaten mehr Respekt für Familien eingefordert, die Angehörige in einem Militäreinsatz verloren haben. Als Oberster Kommandierender sei er die Beleidigungen von "manchen Personen" in Bezug auf Amerikas Militär und Soldaten leid, sagte Obama bei einem Treffen von kriegsversehrten Veteranen in Atlanta. Zwar nannte er Trump nicht ausdrücklich beim Namen, doch war deutlich, wen er meinte.

Obama äußerte sich anlässlich der Ehrung der sogenannten Gold-Star-Familien, die Mitglieder in einem Militäreinsatz verloren haben. "Niemand hat mehr für unsere Freiheit und unsere Sicherheit gegeben als unsere Gold-Star-Familien", sagte der Präsident. Diese Familien hätten ein Opfer gebracht, dass "die meisten von uns sich nicht einmal ansatzweise vorstellen können". Obama mahnte, es müsse alles für diese Familien getan und diese müssten geehrt werden.

Die Partei geht auf Distanz

Der republikanische Vizepräsidentschaftskandidat Mike Pence hat sich unterdessen von den Äußerungen Donald Trumps distanziert. "Hauptmann Khan ist ein amerikanischer Held. Wir ehren ihn und seine Familie (...), wir schätzen seine Familie", sagte Pence auf einer Wahlkampfveranstaltung in Nevada.

Eine Frau, deren Sohn bei der Luftwaffe dient, hatte Pence im Kasino von Carson City zuvor gefragt, wie Pence Trumps Aussagen tolerieren könne. Sie wurde daraufhin von der Menge ausgebuht. Das verbat sich Pence, weshalb er das Publikum zur Ruhe ermahnte und zu der Fragestellerin sagte: "Das ist, wie Freiheit aussieht. Das ist, wie sich Freiheit anhört." Er fügte hinzu, er habe noch nie Zeit mit jemanden verbracht, der sich hingebungsvoller dem Militär und Veteranen widme als Trump.

Kritik an Trumps Äußerungen über Khizr und Ghazala Khan, deren Sohn 2004 bei einem Einsatz im Irak getötet wurde, gab es auch vom republikanischen Senator John McCain. Er könne nicht "genügend betonen, wie wenig ich mit den Kommentaren von Herrn Trump übereinstimme", sagte der ehemalige Präsidentschaftskandidat. "Ich hoffe, die Amerikaner verstehen, dass dies nicht die Sichtweise der republikanischen Partei, ihrer Mitarbeiter oder Kandidaten widerspiegelt."

Trump stellte sich als Opfer einer Kampagne dar. "Herr Khan, der mich nicht kennt, hat mich von der Bühne der Democratic National Convention bösartig attackiert und jetzt ist er überall im Fernsehen, um dasselbe zu tun. Nett!", schrieb er in einem Twitter-Eintrag.

"Nichts und niemanden geopfert"

Khizr Khan rief unterdessen zur Versöhnung auf. In einem Interview des Senders CNN sagte der aus Pakistan stammende Mann, er suche keineswegs die Konfrontation mit Trump. "Wir möchten nicht damit weitermachen. Das ist nicht unsere Art. Wir sind eine anständige, ehrfürchtige Familie und sehr dankbar für die Wohltaten, die uns widerfahren sind."

Sein Sohn Humayun war im Irak durch ein Selbstmordattentat getötet worden. Bei einem bewegenden Auftritt auf dem Parteitag der Demokraten hatte Khan Trump in der vergangenen Woche vorgeworfen, "nichts und niemanden geopfert" zu haben. Er solle sich nur einmal die Gräber von US-Soldaten aller Ethnien und Glaubensrichtungen auf den Friedhöfen anschauen.

Trump reagierte daraufhin beleidigt. Die Äußerungen seien wohl vom Redenschreiber seiner Rivalin Hillary Clinton verfasst worden, sagte er über Khans Auftritt. Dann fuhr der Immobilienmilliardär fort, er habe sehr wohl "eine Menge Opfer" gebracht. Er arbeite "sehr, sehr hart" und habe Zehntausende Jobs geschaffen. Dass Khans Frau während der Rede am Donnerstag schweigend neben ihrem Mann auf der Bühne gestanden hatte, kommentierte Trump mit den Worten: "Vielleicht war es ihr nicht erlaubt, etwas zu sagen."