Der Burkini ist nun rechtmäßig von französischen Stränden verbannt: Das Verwaltungsgericht in Nizza hat ein entsprechendes Verbot für zulässig erklärt. Die Verschleierung würdige Frauen herab und sei daher nicht vereinbar mit ihrem Status in einer demokratischen Gesellschaft, heißt es in der Begründung. Die französische Menschenrechtsorganisation LDH hatte zuvor Beschwerde gegen den Erlass einer Nachbarstadt von Nizza eingereicht.

In der seit Wochen andauernden Debatte beziehen die Richter nun erstmals Position – und argumentieren vorrangig mit den Rechten von Musliminnen. Zuvor hatten mindestens zwölf vor allem südfranzösische Bürgermeister den Burkini verboten. Der konservative Bürgermeister von Cannes belegte den verhüllten Körper am Strand beispielsweise mit einer Buße von 38 Euro.

Allerdings argumentieren die Politiker meist mit der Serie von terroristischen Anschlägen und dem öffentlichen Ärger, den die verschleierten Frauen am Strand hervorrufen würden. Die verblüffendste Begründung für ein Verbot des Burkinis hat der Bürgermeister von Vallauris nahe Nizza parat: Die Verschleierung des Körpers sei gefährlich für die Trägerinnen, wenn sie nach einem Badeunfall wiederbelebt werden müssten, sagte der Konservative Michelle Salucki. Dabei sorgen sich die Stadtchefs sicherlich nicht um die Gesundheit ihrer muslimischen Bürgerinnen. Vielmehr wollen sie ein populistisches Zeichen gegen die vermeintliche Islamisierung der Gesellschaft setzen.

Dreimal verwarnt

Das Geld aus islamisch geprägten Staaten lehnt die Côte d'Azur aber auch nach den Anschlägen nicht ab: An der Strandpromenade in Cannes, an der für eine Matratze mehr als 30 Euro am Tag und für ein Mineralwasser zehn Euro fällig werden, gehen vor allem wohlhabende Touristinnen baden. Saudi-Araber bewohnen am Mittelmeer viele Villen an den Strandpromenaden, erst im vergangenen Jahr hat der saudische König hier für seinen Urlaub 2.000 Zimmer angemietet. Eines der prestigeträchtigsten Luxushotels in Cannes, das Carlton, gehört, wie viele Unterkünfte in der Festivalstadt, einer Stiftung aus dem arabischen Emirat Katar.

Bekannt sind bislang die Verwarnungen dreier Frauen in Cannes – eine davon soll laut der Lokalzeitung den Schleier abgeworfen haben und anschließend im Badeanzug ins Wasser gesprungen sein, zwei weitere sollen den Strand verlassen haben.

Das Verbot trifft nur eine kleine Gruppe, aber wenige Monate vor den Präsidentschaftswahlen überbieten sich die französischen Politiker mit Vorschlägen, die muslimische Religion aus dem Alltag zu verdrängen. In einigen Städten werden gar spezielle Essensangebote für Muslime in Kantinen zur Disposition gestellt, verschleierte Studentinnen könnten bald von den Universitäten verwiesen werden.

Bislang durften sowohl Nonnen als auch Juden oder Muslime ihre jeweilige Kopf- und Körperbedeckung in der Öffentlichkeit zeigen. Ein Runderlass vom März 2011 verbot allerdings schon die "Verhüllung des Gesichts", die Frauen nur einen Sehschlitz lässt.

Burkini-Erfinderin - Bademode hilft bei Integration Kopfschüttelnd wird in einigen Teilen der Welt derzeit das Burkiniverbot an französischen Stränden verfolgt. Aheda Zanetti ist die Erfinderin des Kleidungsstücks und lebt in Australien. Dort wird der Burkini als Zeichen der Integration betrachtet.