Der UN-Sicherheitsrat hat mit Beratungen über den Expertenbericht zu Chemiewaffeneinsätzen in Syrien begonnen. Der Report von Spezialisten der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen und des Gemeinsamen UN-Investigativmechanismus sei ein Meilenstein, sagte die UN-Botschafterin der USA, Samantha Power. Sie erwarte bald eine Resolution. Der Sicherheitsrat müsse zeigen, dass er es ernst meine.

Großbritannien und Frankreich warfen der syrischen Regierung wegen der Giftgaseinsätze Kriegsverbrechen vor und forderten UN-Sanktionen. In dem Bericht waren neun Einsätze chemischer Waffen untersucht und drei eindeutig der syrischen Armee zugeordnet worden. Beide Regierungen verlangten eine "schnelle und entschiedene" Antwort des UN-Sicherheitsrats. Allerdings dürften Sanktionen gegen Syrien wie bereits in der Vergangenheit am Veto des Assad-Verbündeten Russland scheitern.

Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin zweifelte den UN-Bericht an. Es gebe eine Menge offener Fragen, daher sei seine Regierung derzeit nicht bereit, die Ergebnisse der Untersuchung anzuerkennen, sagte er nach einer Sitzung des Sicherheitsrats. Syriens UN-Botschafter Baschar al-Dschafari erklärte, es gebe keine materiellen Beweise für die Vorwürfe gegen die Regierungstruppen. Die Erkenntnisse beruhten ausschließlich auf Zeugenaussagen.

Die UN-Experten sehen es laut dem am 24. August veröffentlichten Bericht als erwiesen an, dass Assads Truppen am 21. April 2014 und am 16. März 2015 in zwei Dörfern in der nordwestlichen Provinz Idlib Giftgas einsetzten. In einem Fall deute alles auf Chlorgas hin. Die giftigen Substanzen seien aus Hubschraubern der syrischen Luftwaffe auf die Dörfer abgeworfen worden.

Unter massivem, internationalem Druck war Syrien 2013 der Chemiewaffenkonvention beigetreten, Assad hatte sich verpflichtet, sämtliche Chemiewaffen zu zerstören. Die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) benutzte nach Erkenntnissen der UN-Experten am 21. August 2015 im Ort Marea nahe Aleppo das hochgiftige Senfgas. In sechs untersuchten Fällen von Chemiewaffeneinsatz konnten die UN-Experten die Urheberschaft nicht eindeutig klären.