In Libyen hat die regierungsnahe Misrata-Miliz nach eigenen Angaben das Hauptquartier der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in der umkämpften Küstenstadt Sirteeingenommen. Das Kongresszentrum, das dem IS als Stützpunkt diente, sei unter Kontrolle, teilten die Kämpfer mit. Auch das angrenzende Krankenhaus und die Universität seien eingenommen worden. "Sirte kehrt nach Libyen zurück", schrieb die Miliz auf Facebook. Vollständig befreit ist die Stadt laut der libyschen Regierung aber noch nicht.

Die Misrata-Miliz hatte Anfang Juni eine Offensive in Sirte gestartet. Unterstützt werden die Kämpfer von Luftschlägen der US-Luftwaffe. Auch US-Spezialkräfte sollen vor Ort sein. Die Stadt war seit 2015 unter Kontrolle des IS. Sie gilt als strategisch wichtig, weil sie den Westen und Osten des Landes miteinander verbindet.

In Libyen herrscht seit dem Sturz und späteren Tod des einstigen Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 Chaos. Nach Gaddafis Tod war ein Machtvakuum entstanden, Kämpfe zwischen rivalisierenden Milizen brachen aus. Zugleich nutzte der IS die Situation, um sich zu etablieren. Unter Vermittlung der UN wurde vor wenigen Monaten Fajis Al-Sarradsch als Ministerpräsident einer Einheitsregierung eingesetzt. Diese bat die USA um gezielte Luftangriffe auf Sirte, die Anfang August erstmals erfolgten. 

Im Osten Libyens hatten Politiker verärgert darauf reagiert, dass die Einheitsregierung in Tripolis ausländische Kräfte um Hilfe bat. Das dort ansässige Parlament, das sich im Zuge einer Regierungskrise parallel zu einem in Tripolis gebildet hatte, erkennt die neue Einheitsregierung nicht an.