Libysche Truppen haben die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in Sirte weiter in die Defensive gedrängt. Ein Sprecher der Einheiten sagte am Montag, die lange vom IS dominierte Stadt stehe vor dem Fall. Lediglich ein Bezirk befinde sich noch unter Kontrolle der Extremisten. Ein zuletzt zurückerobertes Wohnviertel werde derzeit von IS-Kämpfern "gesäubert".

Die Armee der von den Vereinten Nationen (UN) unterstützten Einheitsregierung in Libyen kämpft seit rund drei Monaten gegen die IS-Kämpfer in der Küstenstadt. Seit dem 1. August werden die Soldaten durch US-Luftangriffe auf IS-Stellungen, -Fahrzeuge und -Waffen unterstützt.

Der "Islamische Staat" wehrt sich erbittert gegen die Offensive. Ein IS-Selbstmordattentäter hat in Sirte mehrere Menschen verletzt. Mindestens fünf Kämpfer regierungstreuer Milizen seien bei dem Vorfall am Montag verletzt worden, teilte die Führung der Militäroperation mit. Am Sonntag hatten heftige Gefechte und mindestens 12 Autobomben der Dschihadisten 38 Anti-IS-Kämpfer getötet und mehr als 180 verletzt. Ein Sprecher des Krankenhauses in der nahen Stadt Misrata sagte der Nachrichtenagentur AP, in den vergangenen 24 Stunden sei die Zahl der Toten und Verletzten aus Sirte stark gestiegen. Angaben über tote Extremisten gab es nicht.

Der IS eroberte Sirte im vergangenen Jahr und machte die Stadt zu einem Stützpunkt für einheimische und ausländische IS-Kämpfer. Von dort dehnten sie ihr Gebiet rund 250 Kilometer weit an der libyschen Küste entlang aus. Regierungstreue Milizen hatten im Mai eine Offensive gegen die Dschihadisten gestartet, nachdem das IS-Einflussgebiet in Zentrallibyen auf etwa 300 Kilometer Länge angewachsen war. Innerhalb weniger Wochen rückten Truppen von allen Seiten auf das Zentrum Sirtes, das als eine Art Hauptstadt des IS in Libyen gilt, vor. Offiziell geführt wird das Bündnis von der Einheitsregierung in Tripolis. Der Verlust von Sirte dürfte ein schwerer Rückschlag für den IS in Libyen sein. Auch in Syrien und im Irak wird der IS immer weiter zurückgedrängt.