Eine Rakete von einem U-Boot abschießen zu können, ist militärisch gesehen eine erfolgreiche Aktion. Nordkorea hat genau das am frühen Mittwochmorgen getan. Bislang sind solche nordkoreanischen U-Boot-Raketen nicht weiter als 30 Kilometer geflogen  –  jetzt waren es mehr als 500 Kilometer Richtung Japan.

Nordkorea verstößt damit gegen eine UN-Resolution, die dem Land jegliche Raketentests verbietet. Nur interessiert das den jungen Diktator Kim Jong Un nicht. Genauso wenig wie es seinen Vater Kim Jong Il scherte – es werden fleißig weiter Raketen getestet und bereits vier Mal wurde auch schon unterirdisch etwas gezündet, das auf atomaren Sprengstoffen basierte. Das Ziel war und ist, die Diktatur in Nordkorea abzuschirmen und ihr ein Schicksal wie beispielsweise das des irakischen Despoten Saddam Hussein zu ersparen.

Für den Fall, dass nordkoreanische Techniker in die Lage kommen, Atomsprengköpfe so zu bauen, dass sie auf Raketen passen, wird auch die besondere Gefahr einer funktionierenden Abschusstechnik aus U-Booten klar. Nordkorea könnte dann Atomraketen weit außerhalb der eigenen Grenzen positionieren und sich auch nach einem Erstangriff von außen auf sein Territorium atomar wehren.

Veränderte Tonlage

Was den jüngsten Raketentest so gefährlich macht, ist aber nicht nur seine offenbare Qualität. Es ist auch die veränderte Tonlage aus Pjöngjang. Zwar ist es so, dass Nordkorea grundsätzlich seine Kriegsrhetorik zum jährlichen, gerade stattfindenden US-südkoreanischen Großmanöver jeweils verschärft. Doch vor zwei Tagen drohte Kim Jong Un mit einem "atomaren Erstschlag", der jegliche Angreifer "in einen Haufen Asche" verwandeln werde.

Das ist die ultimative Drohung, mehr geht nicht. Was soll nach der Vernichtungsdrohung durch Atomschläge noch kommen? Es scheint, als seien Kim Jong Un und sein innerer Zirkel sehr erregt, und zuletzt ist einiges zusammengekommen, das diese Stimmung gefördert hat: 

  • Die Installation von Thaad in Südkorea, einem hochmodernen US-Raketenschirm gegen ballistische Raketen (Der auch China und Russland betrifft.)
  • Die seit März dieses Jahres noch einmal verschärften UN-Sanktionen, die das Land empfindlich treffen und auch von Nachbar China gestützt werden.
  • Chinas unter dem neuen Präsidenten Xi Jinping inzwischen sehr distanziert gehaltenen politischen Beziehungen zum Kim-Clan. Bis heute gab es kein Treffen Xis mit Kim Jong Un.
  • Das jährliche Manöver mit 25.000 US-Soldaten und 50.000 aus Südkorea, in dem das Szenario eines Einmarschs der Streitkräfte Nordkoreas in den Süden durchgespielt wird.
  • Die Häufung von Republikflucht von nordkoreanischen Diplomaten und Beamten, weshalb die Kinder von Auslandsvertretern inzwischen nach Hause beordert werden. Zuletzt hatte sich der stellvertretende Botschafter Nordkoreas in London, Thae Yong Ho,  zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn abgesetzt.

Nun ist zwar nicht davon auszugehen, dass Kim jemals eine Atombombe Richtung Südkorea schießt. Er würde sich damit selbst vernichten. Doch je mehr aufgerüstet wird in Ostasien, desto eher kann ein dummer Zwischenfall militärisch eskalieren. Um den Druck aus Ostasien etwas herauszunehmen, muss daher miteinander geredet werden. Im besten Fall wäre das die Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche über das nordkoreanische Kernwaffenprogramm (Japan, Nord- und Südkorea, Russland, die USA und China).