Die türkische Armee hat Stellungen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) und der Kurdengruppe PYD im Norden Syriens mit Artillerie beschossen.  Das berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf das Militär. Laut Berichten der Fernsehsender CNN Türk und n-tv wurden IS-Ziele in der Stadt Dscharabulus und PYD-Ziele nahe Manbidsch unter Haubitzen-Feuer genommen.

Kurdische Milizen bestätigten den Angriff in der nordsyrischen Region Manbidsch. Die Türkei habe Stellungen rund 20 Kilometer von der Grenze beschossen, sagte ein Sprecher der Kurden in der Region. Kurden hatten die Stadt Manbidsch vor kurzem vom IS zurückerobert. Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) kontrollieren ein großes Gebiet an der türkischen Grenze, das nur durch das Einflussgebiet des IS unterbrochen wird.

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu sagte in Ankara: "Unsere Grenze muss vollständig von Daesh (IS) gesäubert werden".  Die Türkei werde die Islamistengruppe bis zum Ende bekämpfen. Es sei das "ganz natürliche Recht" des Landes, "diese Terrororganisation bei uns und im Ausland zu bekämpfen". Erst vor zwei Tagen waren bei einem Anschlag auf eine Hochzeit in der Grenzstadt Gaziantep Dutzende Menschen getötet worden.

Angaben zu Gaziantep-Attentäter korrigiert

Die Aussage Çavuşoğlus erfolgte nach dem Bombenanschlag auf eine kurdische Hochzeitsfeier im Südosten der Türkei, bei dem 54 Menschen getötet, 66 weitere zum Teil schwer verletzt wurden. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hatte zunächst die IS-Miliz hinter der Tat vermutet. Regierungschef Binali Yıldırım sagte später bei einer Pressekonferenz, die Türkei wisse nicht, wer hinter dem Angriff stecke. Frühere Berichte, wonach es sich bei dem Attentäter von Gaziantep um ein Kind handelte und der IS hinter der Tat steckte, seien "leider nicht richtig".

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete unterdessen, auf der türkischen Seite der Grenze seien Hunderte von Ankara unterstützte syrische Milizionäre versammelt. Sie wollten die syrische Grenzstadt Dscharabulus einnehmen, die unter der Kontrolle des IS steht. Offenbar wollten die Kämpfer kurdischen Einheiten der YPG-Miliz zuvorkommen, die einen Großangriff in Nordsyrien gestartet hatten. Die Angaben der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle können nur schwer überprüft werden.

Die kurdischen Kämpfer der YPG – dem bewaffneten Arm der PYD – hatten schon zuvor die letzten von Truppen des Präsidenten Baschar al-Assad gehaltenen Teile der Stadt Hassaka angegriffen, wie die Miliz und Anwohner berichteten. Der YPG-Vorstoß stellt für Russland eine Herausforderung dar, das mit Assad verbündet ist und dessen Truppen es mit seiner Luftwaffe unterstützt. Am Freitag hatten die USA der Luftwaffe Assads mit Abschüssen ihrer Kampfflugzeuge gedroht, sollte die Stadt wieder bombardiert werden. Die Gebietsgewinne der Kurden sind zudem der Türkei ein Dorn im Auge, denn sie fürchtet, dass die Autonomiebestrebungen der kurdischen Minderheit im eigenen Land angefacht werden.