Die Ukraine, Georgien und Moldau stecken in einem Sicherheitsdilemma: Je mehr sie sich gen Westen  orientieren, desto mehr müssen sie russische Aggression fürchten. Die sozialen und politischen Systeme sowie Außenbeziehungen dieser Länder sind aber derart problematisch, dass sie kaum auf eine baldige Aufnahme in die Nato oder EU hoffen können. Vor diesem Hintergrund erscheint die einzig derzeit zumindest theoretisch realisierbare Teillösung für die immer gravierender werdenden Sicherheitsprobleme dieses Zwischeneuropas die Neuauflage einer alten polnischen Idee: das sogenannte Intermarium ("Land zwischen den Meeren"). 

Dieses Warschauer Projekt, aus der Zwischenkriegszeit, sieht eine Koalition der Staaten Mittelost- und Südosteuropas vor, welche sich zwischen Skandinavien im Norden und Kleinasien im Süden sowie zwischen Deutschland im Westen und Russland im Osten befinden. Diese Staaten könnten sich in einem Intermarium-Block zusammenschließen – in einer Allianz der Länder des Ostsee- und Schwarzmeerraumes, deren primärer Zweck heute Beistand für Moldau, die Ukraine und Georgien wäre.

Ein heutiger Intermarium-Block bräuchte keine vollwertige Verteidigungsallianz wie die Nato zu sein. Er könnte als öffentliches Beihilfeversprechen einer Ländergruppe dienen, die bereit ist, sich gegenseitig bei der Abwehr hybrider Kriege zu unterstützen. Ein solches gegen die heutige Kremlpolitik gerichtetes antiimperiales Bündnis würde jene Nationen umschließen, die bereit sind, einander bei der Eindämmung der neohegemonialen Ambitionen Moskaus militärisch und in anderer Hinsicht Beistand zu leisten.

Eine Art Halbkreis vom Baltikum bis zum Kaukasus

Die Staaten entlang der westlichen und südwestlichen Grenzen Russlands sind ohnehin in unterschiedlichem Maße bereits in Konflikte verschiedener Art mit dem russischen Staat und seinen Agenten involviert, von Propaganda-, Wirtschafts-, Cyber-, kaltem oder realem Krieg betroffen. Ein Intermarium-Sicherheitspakt könnte diese Länder verbünden und würde sowohl Mitglieder als auch Nichtmitglieder von EU und Nato in Osteuropa sowie des Südkaukasus einschließen.

Die Unterzeichner eines Intermarium-Beistandsvertrages würden dem Kreml ihre Bereitschaft kundtun, einander in ihren derzeitigen und künftigen Konflikten mit Russland aktiv und auf unterschiedliche Weisen zur Seite zu stehen. Die Kooperation der Intermarium-Mitgliedsstaaten könnte folgende Bereiche umfassen:

  • multilaterale Koordination wirtschaftlicher und sonstiger Sanktionen;
  • gegenseitige Belieferung mit letalen Verteidigungswaffen;
  • Vereinfachung des grenzüberschreitenden Einsatzes freiwilliger Kämpfer und Helfer;
  • Kooperation in Fragen der Energiesicherheit und des Transports von Energieträgern;
  • reziproke Hilfe bei militärischem Training und Waffenmodernisierung;
  • Austausch von strategischen, Geheimdienst- und anderen relevanten Informationen;
  • Joint Ventures in der Rüstungsindustrie und gemeinsame Waffenentwicklung;
  • logistische Unterstützung bei der Abwehr hybrider Kriegsmaßnahmen;
  • grenzüberschreitende Initiativen zur Abwehr von Propagandakampagnen;
  • Austausch von Militärberatern und sonstigen Experten.

Das Intermarium würde den Großteil der ehemaligen europäischen Satellitenstaaten und Teilrepubliken der UdSSR vereinen und eine Art Halbkreis vom Baltikum bis zum Kaukasus bilden. Eine Koalition der Willigen könnte gegebenenfalls Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Bulgarien, Moldau, die Ukraine und Georgien einschließen – je nach den konkreten Interessenlagen und Sicherheitsbedürfnissen. Der Intermarium-Block wäre gegebenenfalls auch eine Option für Tschechien, die Slowakei, Ungarn und womöglich sogar Belarus (Weißrussland), Aserbaidschan oder Armenien, falls sich die innenpolitischen Verhältnisse in diesen Ländern entsprechend ändern.