Das russische Militär hat eine tägliche dreistündige Feuerpause rund um Aleppo angekündigt. Um humanitäre Hilfe in die Stadt zu lassen, würden die russischen Streitkräfte ab Donnerstag täglich von 10 Uhr bis 13 Uhr Ortszeit jeglichen Beschuss unterbrechen. Das teilte ein Vertreter des russischen Generalstabs in Moskau mit.

Das Ministerium sprach von "humanitären Zeitfenstern". Während der Feuerpause werde es weder Angriffe aus der Luft noch mit Artillerie geben, hieß es weiter. Die Armee des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad hält mit russischer Hilfe im Ostteil der Stadt bis zu 300.000 Zivilisten und mehrere Tausend bewaffnete Regimegegner eingekesselt.

Der Sprecher einer großen Rebellengruppe in Aleppo äußerte sich skeptisch zu dem russischen Vorschlag. "Was sind drei Stunden? In diesen drei Stunden werden sie nur (die Rebellenstadt) Idlib bombardieren", sagte Abd al-Salaam Abd al-Rassak von der Rebellengruppe Nur al-Din al-Sinki der Nachrichtenagentur Reuters.

USA begrüßen russische Feuerpause

Der Chef der UN-Hilfsoperationen, Stephen O'Brien, sagte, er sei bereit, den russischen Plan in Betracht zu ziehen. Allerdings sei eine längere Feuerpause nötig, um die benötigten Hilfsgüter in die Stadt zu bringen. "Wenn wir drei Stunden angeboten bekommen, muss man fragen, was können wir in diesen drei Stunden erreichen?", sagte er vor Journalisten. Gehe es darum, den Bedarf an Hilfsgütern zu decken, oder nur einen sehr kleinen Teil? Notwendig seien eine zweispurige Straße und 48 Stunden Zeit, um genügend Lastwagen in die Stadt zu bekommen.

Die USA erklärten, sie würden jede Unterbrechung der Kämpfe begrüßen, um humanitäre Hilfe in die Stadt zu bekommen. Die Feuerpause müsse aber von allen Konfliktparteien eingehalten werden.

Die Lage für die Menschen in der umkämpften Stadt ist dramatisch. Neben einem Mangel an medizinischer Versorgung gibt es seit Tagen kein fließendes Wasser in der Stadt. Erst vor wenigen Tagen hatten EU und UN eine "wöchentliche 48-stündige humanitäre Pause" verlangt, um die Bevölkerung in Aleppo mit Hilfsgütern versorgen zu können. 

Am heutigen Mittwoch konnten erstmals seit dem Beginn der Belagerung der Stadt vor einigen Wochen Nahrungsmittel in die Rebellengebiete dort geliefert worden. Der verhältnismäßig kleine Transport bestand vor allem aus frischem Gemüse, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Auf einem Video, das ein Fernsehsender der Opposition in Aleppo veröffentlicht hat, ist zu sehen, wie ein kleiner Transporter mit Tomaten ein Stadtviertel im Osten Aleppos erreicht. Junge Männer beeilen sich, die Kisten so schnell wie möglich abzuladen. Aktivisten aus der Stadt berichten, dass die Wege in die Rebellengebiete immer wieder unter Beschuss durch Artillerie und Luftangriffe des syrischen Regimes und ihrer Verbündeten stehen.

Die Angriffe auf Aleppo gehen weiter

Unabhängig von den Feuerpausen sollten die früher eingerichteten Fluchtkorridore für Zivilisten rund um die Uhr geöffnet bleiben. Das sagte Generalleutnant Sergej Rudskoi russischen Agenturen zufolge. In der Praxis funktionieren die angeblichen humanitären Maßnahmen der syrischen und der russischen Armee nach Angaben von Kritikern aber nur schlecht oder gar nicht.

Die Angriffe auf die Metropole gingen derweil weiter. Nach Angaben von Aktivisten wurde ein medizinisches Ausbildungszentrum bei Aleppo durch einen Luftangriff getroffen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von mindestens fünf Toten bei einem Angriff "in der Nähe eines medizinischen Instituts".

Ende Juli gelang es Regierungstruppen, nach jahrelangen Kämpfen den Belagerungsring um die noch von Rebellen gehaltenen Stadtteile zu schließen. Am Samstag kämpfte ein islamistisch geführtes Rebellenbündnis von Südwesten kommend einen neuen Korridor frei, der aber weiter unter Beschuss liegt.

Die USA und Frankreich haben die Fortsetzung der Gespräche über eine Beilegung des Syrien-Konflikts an den freien Zugang für Hilfsorganisationen nach Aleppo geknüpft.