Als Reaktion auf die Terroranschläge will Frankreich eine Nationalgarde mit 84.000 Reservisten aufbauen. Innenminister Bernard Cazeneuve sagte nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts, dass diese Stärke bis zum Jahr 2019 erreicht werden solle. Die Nationalgarde könne dann die Antiterroreinsätze im Inland übernehmen, die bislang das Militär stemmt. Derzeit patrouillieren bis zu 10.000 Soldaten in französischen Städten, was dem Militär viele Ressourcen entzieht.

Präsident François Hollande hatte die Idee einer Nationalgarde schon nach den Pariser Anschlägen im November erwähnt, nach dem Angriff am Nationalfeiertag in Nizza trieb er sie nun voran. In der vergangenen Woche kündigte Hollande an, dass die Nationalgarde so schnell wie möglich aus Reserveeinheiten des Militärs und der Polizei geschaffen werden solle.

Wann genau die Nationalgarde starten kann, ist unklar; auch die genauen Zuständigkeiten der Truppe sind noch offen. Für September sind Konsultationen mit den zuständigen Parlamentsausschüssen geplant.

Die Reserve der Gendarmerie – die zwar offiziell Militärs sind, aber Polizeiaufgaben übernehmen und deshalb auch dem Innenministerium unterstehen – wird in diesem Sommer bereits eingesetzt. 12.500 Reservisten sollen die Sicherheitskräfte entlasten, die nach mehr als acht Monaten Ausnahmezustand stark belastet sind. So sei es möglich, jeden Tag 4.000 Gendarmen mehr im Einsatz zu haben, sagte Cazeneuve.

Nach den jüngsten Anschlägen in Nizza und Saint-Étienne-du-Rouvray hatte das Land den Ausnahmezustand, der eigentlich Ende Juli auslaufen sollte, bis Anfang 2017 verlängert. Für die zahlreichen Großveranstaltungen im Sommer wurden die Sicherheitsauflagen erhöht, eine Reihe von Städten sagten Festivals ab.  

Wechselvolle Geschichte der Nationalgarde

Der Begriff Nationalgarde ist in Frankreich mit wechselvollen Erinnerungen verbunden: Eine garde nationale spielte eine wichtige Rolle in der Zeit der französischen Revolution. 1789 wurde in Paris eine Bürgerwehr gebildet, viele andere Städte folgten und bildeten ebenfalls solche Milizen.

Die Truppe blieb durch unruhige Zeiten mit häufigem Wechsel zwischen Republik, Monarchie und Kaiserreich über Jahrzehnte erhalten – und stand dabei mal aufseiten der Revolution, mal aufseiten der Obrigkeit. Abgeschafft wurde die Nationalgarde, nachdem sie sich 1871 dem Aufstand der Pariser Kommune angeschlossen hatte, der niedergeschlagen wurde.

In den USA gibt es heute noch eine Nationalgarde aus Reservisten der Armee, unterteilt in Einheiten des Heeres und der Luftwaffe. Jeder Bundesstaat hat seine eigene Nationalgarde, die bei Waldbränden, Wirbelstürmen, Überflutungen oder bei Unruhen im Inneren eingesetzt wird. Kommt es zum Krieg oder zu nationalen Notfällen, kann der US-Präsident das Kommando übernehmen.