Der im US-Exil lebende türkische Prediger Fethullah Gülen hat eine unabhängige Untersuchung des Putschversuchs in der Türkei gefordert. "Ich fordere, dass eine internationale, unabhängige Kommission die Ermittlungen zu diesem Putschversuch führt", schreibt Gülen in der französischen Tageszeitung Le Monde.

In dem Beitrag wehrt sich der Prediger erneut gegen den Vorwurf, der Umsturzversuch sei maßgeblich von ihm geplant worden. "Falls ein Zehntel der gegen mich erhobenen Anschuldigungen zutreffen sollte, verpflichte ich mich, in die Türkei zurückzukehren und die härteste Strafe hinzunehmen", schreibt Gülen. Er lebe seit 17 Jahren zurückgezogen in einem kleinen Dorf in den USA. Die Behauptung, er habe von dort aus einen Putsch gegen die türkische Regierung durchgeführt, sei eine Verleumdung. "Ich habe mich mein ganzes Leben gegen Militär-Interventionen gewehrt."

Zugleich stellt Gülen erneut klar, dass er eine Beteiligung von Sympathisanten seiner Hizmet-Bewegung nicht ausschließen könne, dies aber verurteile. "Sollten Militärs, die sich als Sympathisanten der Hizmet bezeichnen, in diese Verschwörung verwickelt sein, sage ich ohne jedes Bedenken, dass sie Eidbrecher sind, die die Einheit und Integrität des Landes erschüttert haben, und Individuen, die meine Ideale verraten haben", schreibt Gülen. "Gott möge sie bestrafen."

Das Vorgehen gegen Hizmet-Sympathisanten verurteilt Gülen grundsätzlich. Trotz seiner Vorbehalte gegen "den politischen Islam" habe er Präsident Recep Tayyip Erdoğan und seine AKP zu Beginn ihrer Regierungszeit unterstützt, als sie demokratische Reformen beschlossen habe. Heute jedoch führe sie eine "Hexenjagd" gegen seine Anhänger durch.

Türkei droht den USA

Die Türkei macht den im US-Bundesstaat Pennsylvania lebenden Prediger für den gescheiterten Putschversuch verantwortlich und verlangt seine Auslieferung. Ein formeller Antrag auf Auslieferung ist bisher allerdings nicht gestellt. Die USA haben angedeutet, dass die bisher vorgebrachten Beweise gegen Gülen nicht ausreichen.

Die Türkei machte am Freitag deutlich, dass die Entscheidung weitreichende Folgen für die Beziehungen zwischen den Staaten haben könnte. Zwar gehe es um eine juristische Frage, diese sei zugleich aber auch eine politische Entscheidung, sagte Justizminister Bekir Bozdağ. "Keine Auslieferung ist auch eine politische Entscheidung."

In diesem Fall würde die US-Regierung ihre "Freundschaft zu Fethullah Gülen über die Freundschaft zur Türkei stellen", sagte Bozdağ. Dabei sei klar, dass Gülen für den Putschversuch verantwortlich sei. "Die ganze Welt weiß, wer der Täter ist."

Gülen war früher ein Verbündeter des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und ist seit geraumer Zeit einer seiner heftigsten Kritiker. Er hat wiederholt mitgeteilt, dass er nicht in den Umsturzversuch verwickelt gewesen sei.