Bei Razzien in mehreren Gerichten in der türkischen Metropole Istanbul hat die Polizei einem Bericht zufolge 136 vermeintliche Gülen-Anhänger festgenommen. Die Nachrichtenagentur Anadolu berichtet, auf der Suche nach insgesamt 190 verdächtigen Staatsanwälten und anderen Justizbeamten wurden vier Gerichte durchsucht. Ihnen wird vorgeworfen, dem Prediger Fethullah Gülen nahezustehen, den die türkische Führung für den gescheiterten Militärputsch vor einem Monat verantwortlich macht.

Offiziellen Angaben zufolge wurden seit dem Umsturzversuch Mitte Juli mehr als 35.000 Menschen festgenommen, von denen mittlerweile 11.600 wieder frei sind. Präsident Recep Tayyip Erdoğan geht seit der Revolte energisch gegen mutmaßliche Regierungsgegner in Militär und Politik, aber auch gegen Juristen, Journalisten, Wissenschaftler und Vertreter aus der Wirtschaft vor.

Die Regierung kündigte am Montag weitere Massenentlassungen an. Betroffen seien das Außen- und das Innenministerium, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Numan Kurtulmus. Auch beim Militär und bei der Küstenwache werde es nach einem entsprechenden Dekret Entlassungen geben. Zudem würden Militärhospitäler unter die Kontrolle des Gesundheitsministeriums gestellt.

Erdoğan hatte angekündigt, die Türkei vom "Virus" der Gülen-Bewegung zu befreien. Der in den USA lebende Prediger weist eine Mitverantwortung für den Putschversuch zurück. Seit Langem fordert die Türkei von den USA die Auslieferung Gülens, am Samstag übermittelte die Türkei dem US-Justizministerium nun auch einen offiziellen Auslieferungsantrag der Staatsanwaltschaft Istanbul. Zur Begründung nennen die türkischen Behörden zehn Straftatbestände, darunter den Putschversuch.