#AmericanShortStories: Clinton kann nicht lustig

In einer Webshow wollte Hillary Clinton an die Schlagfertigkeit von Barack Obama heranreichen. Sie scheiterte jedoch an der Dreistigkeit des Gastgebers.
Hillary Clinton in der Funny-or-Die-Show
  • Redakteure und Korrespondenten von ZEIT ONLINE berichten in diesem Blog und unter #AmericanShortStories über die wichtigsten Entwicklungen im Kampf ums Weiße Haus – mit Anekdoten, Netzfundstücken und Eindrücken von vor Ort.
  • Unter #AmericanSelfie kommen US-Bürger zu Wort. Sie schreiben über den Wahlkampf sowie ihre Sorgen, Probleme und Visionen für Amerika.
  • Am 8. November wählen die USA: Donald Trump oder Hillary Clinton – die heiße Phase des Wahlkampfs hat begonnen.
  • Jede Bundestagswahl wirkt blass gegen das Spektakel, das die USA alle vier Jahre in Atem hält: Riesige Werbekampagnen, TV-Debatten und Schlammschlachten liegen noch zwischen den Kandidaten und der 45. Präsidentschaft der Vereinigten Staaten. 
  • Die Umfragen lassen keinen klaren Favoriten erkennen – zu sehr hat der Milliardär Trump die politische Landkarte der USA aufgemischt. Selbst erfahrene Wahlbeobachter lagen mit ihren Prognosen daneben. Fest steht: Unbeliebt sind Clinton und Trump gleichermaßen.

Wer führt in den Umfragen?

  • 11:07 Uhr
    Sasan Abdi-Herrle

    Zu steif für gute Jokes

    Ganz schlimm ist, wenn man witzig sein will, es aber nicht ist. Das gilt auch für US-Präsidentschaftskandidaten. Ein Auftritt von Hillary Clinton bei Between Two Ferns ging gründlich daneben. In der Funny-or-Die-Show müssen sich die Gäste zwischen zwei Farnen sitzend den dreisten Fragen des aus den Hangover-Filmen bekannten Schauspielers Zach Galifianakis stellen.

    Clinton wollte es Barack Obama gleichtun, der sich bei seinem Auftritt vor zwei Jahren gereizt, aber schlagfertig präsentierte und zugleich die Gelegenheit nutzte, um bei einem jungen Publikum für seine Gesundheitsreform zu werben. Genau diese Zielgruppe ist auch für Clinton wichtig: Bei den unter 35-Jährigen hat die Demokratin laut Umfragen noch deutliche Defizite.

    Der Auftritt aber ging schief, weil Clinton viel zu steif auf die Spitzen von Galifianakis reagierte. "Sind Sie stolz darauf, als erstes Mädchen Präsidentin werden zu können?", fragte der Schauspieler frech. "Es wäre nicht nur für Mädchen, sondern auch für Jungs etwas Besonderes", antwortete Clinton reichlich uninspiriert. Auf die Frage, was passiere, wenn sie im Präsidentenamt noch einmal schwanger werden sollte und ob Obama seinen Kaffee wie sich selbst – schwach – möge, konnte Clinton nur ungläubig den Kopf schütteln.

    Eine solche Reaktion ist einerseits wegen der Absurdität der Fragen verständlich. Andererseits hätten mehr Selbstsicherheit und Selbstironie Clinton nicht geschadet – zumal sich das Gerücht hält, dass die Show ohnehin durchorchestriert ist.

  • 13:45 Uhr
    Sasan Abdi-Herrle

    So lügt Trump

    "Allein seit 2013 hat die Obama-Regierung 300.000 kriminellen Ausländern die Rückkehr in die US-Gesellschaft ermöglicht", sagte Donald Trump am 1. September. Stimmt's?

    Die Washington Post geht seit Kurzem solchen und ähnlichen Aussagen der beiden US-Präsidentschaftskandidaten im Rahmen eines systematischen Faktenchecks nach. In der heißen Phase des Wahlkampfs wird dabei nicht nur der Wahrheitsgehalt überprüft; es wird auch visualisiert, wer wie oft falsche Behauptungen aufgestellt hat.

    Die Tendenz ist bereits nach 20 Tagen eindeutig: Von 73 bewerteten Trump-Behauptungen sind 46 grob falsch (63 Prozent). Bei Hillary Clinton sind es sechs von 44 (knapp 14 Prozent). 

    Und wo lügt Trump der Analyse zufolge besonders gerne? Natürlich: beim Thema Migration.

  • 15:20 Uhr
    Paul Middelhoff

    #AmericanSelfies



    Kelly Cline, 32, Finanzamt-Mitarbeiterin aus Oxford, Alabama

    "Unser größtes Problem ist die Lage der Wirtschaft. Noch immer ist die Arbeitslosigkeit sehr hoch und die Lebenshaltungskosten steigen und steigen. Gleichzeitig haben die staatlichen Ausgaben der aktuellen Regierung die ohnehin schockierend hohen Schulden unseres Landes noch vergrößert.

    Was unserem Land fehlt, ist ein System, in dem die amerikanischen Bürger, nicht die Politiker in Washington, wieder die wichtigen Entscheidungen treffen. Unsere Vorväter haben unser Land auf dem Konzept der checks and balances gegründet – der gegenseitigen Kontrolle durch die Institutionen des Staates. Dieses System scheint es nicht mehr zu geben, da die aktuelle Regierung ihre Vorhaben nur noch mit Verfügungen des Präsidenten und ohne Kontrolle des Kongresses durchbringt.

    Außerdem, und das wird sicher nicht jeder mögen, halte ich die Einwanderung für eine große Herausforderung. Die neue Regierung wird sich um das Thema Grenzkontrollen kümmern müssen. Denn die aktuelle Führung von Barack Obama hat einfach nichts getan, um unsere Grenzen zu schützen, illegale Immigranten kommen in hohen Zahlen über die Grenze. Ich habe mit Einwanderung kein Problem. Aber sie muss legal geschehen und den offiziellen Richtlinien folgen."

  • 12:33 Uhr
    Carsten Luther

    Human Hillary

    Brandon Stanton treibt sich viel auf der Straße herum, um die Motive für sein kolossal erfolgreiches Fotoblog Humans of New York abzulichten. Ganz gewöhnliche Leute aus allen Teilen der Stadt, allen Schichten oder Ethnien porträtiert er und lässt sie zu Wort kommen – was immer sie auch zu sagen haben. Typischerweise werden die Namen nicht genannt: Die Bilder und Geschichten der Menschen sprechen für sich. Hillary Clinton wird er nicht auf der Straße getroffen haben, so nah am Volk ist die demokratische Präsidentschaftskandidatin dann doch nicht. Dafür wird sie jeder erkannt haben, gleich zweimal ist sie abgelichtet. Stanton hat sich damit deutlich im Wahlkampf positioniert, während der Blog sonst mit Politik nichts am Hut hat.



    Die Fans von Humans of New York sind potenzielle Wähler für Clinton, das hatte sie offenbar schon Anfang Juli erkannt, als sie ein Foto kommentierte, das Stanton gepostet hatte. Ein trauriger kleiner Junge war das Motiv, seine Geschichte: "Ich bin homosexuell, und ich habe Angst davor, wie meine Zukunft aussehen wird und dass die Menschen mich nicht mögen."

    Clinton schrieb dazu: "Prognose eines Erwachsenen: Deine Zukunft wird großartig sein. Du wirst dich selbst damit überraschen, wozu du fähig bist und welche unglaublichen Dinge du tun wirst. Finde die Leute, die dich lieben und an dich glauben – es wird viele davon geben."

    Unter einem der Porträts erzählt Clinton nun eine sehr persönliche Episode aus ihrer Zeit als Jurastudentin in Harvard, die ihr späteres Leben geprägt hat: Wenn sie heute oft als kalt oder unnahbar gesehen werde, dann weil sie als junge Frau habe lernen müssen, ihre Emotionen zu kontrollieren, um sich zu schützen, um ihr Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Clinton saß in einer Klausur unter vielen männlichen Teilnehmern und musste sich vor Beginn der Prüfung sexistische Anfeindungen gefallen lassen: "Du musst hier nicht sein" oder "Du kannst eine Menge anderer Sachen machen". Es habe sich richtig hochgeschaukelt, einer habe dann gesagt: "Wenn du mich hier verdrängst, werde ich eingezogen, und ich werde nach Vietnam gehen, und ich werde sterben." Clinton habe in dieser Situation nur nach unten geschaut und versucht, sich nicht von dem Test ablenken zu lassen.

    Überhaupt scheint es Clinton mit diesem klugen PR-Manöver darum gegangen zu sein, ihr dröges Image aufzubrechen. Ihre kühle Art, ihre leidenschaftsarmen Reden, das hat sie selbst als wunden Punkt erkannt. Die zweite Episode handelt genau davon: Vor ihr würden auf den Veranstaltungen immer Männer sprechen, die den Menschen die Botschaft geradezu einhämmern, die hinausschreien, wie wichtig es sei, diese Wahl zu gewinnen. Sie könne das nicht, höre dann immer nur, sie sei "zu laut", "zu schrill" oder "zu irgendwas" – weil die Vorbilder für Politiker immer nur Männer seien und man anders auf Frauen schaue.

    Dass das natürlich alles Wahlkampf ist – geschenkt. Was immer man über Clinton als Kandidatin denke, kommentierten insbesondere viele Frauen unter den Posts, ihre Erlebnisse seien dennoch ein Beleg für den Sexismus, mit dem die Hälfte der Bevölkerung andauernd konfrontiert werde. Was einige Männer dazu zu sagen hatten, dokumentieren wir hier besser nicht.

  • 13:16 Uhr
    Paul Middelhoff

    Wo der Wahlkampf noch ein großer Spaß ist

    Bekommt Hillary Clinton das Gurkenglas aufgeschraubt? Oder ist sie zu schwach, kränklich vielleicht? Die ehemalige US-Außenministerin verzieht das Gesicht, fletscht die Zähne. Und auf einmal hat sie den Deckel in der Hand. Ihr gegenüber sitzt der Late-Night-Moderator Jimmy Kimmel – er hat Clinton gerade aufgefordert, hier in seiner Talkshow ein für alle Mal zu beweisen, dass die Gerüchte um ihre angeschlagene Gesundheit nicht stimmen. Und Clinton, mitten im Wahlkampf für jede Minute in der Öffentlichkeit dankbar, tut ihm den Gefallen. Einen Tag später steht das Video mit dem Gurkenglas auf YouTube, eine gute Woche darauf haben 1,5 Millionen User den Clip gesehen.


    Nicht nur die Nachrichten-Journalisten in den USA berichten seit nun fast eineinhalb Jahren ohne Pause über die neusten Entwicklungen des amerikanischen Wahlkampfs. Täglich nehmen sich auch Amerikas Late-Night-Moderatoren das politische Tagesgeschehen vor. In den Wochen der Parteitage, Grundsatzreden und TV-Debatten gehen ihre Quoten durch die Decke. Die brutale Abrechnung des HBO-Stars John Oliver mit dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump vom Februar haben bis heute fast 29 Millionen Menschen auf YouTube gesehen. Zum Vergleich: Eine Folge der deutschen heute-show mit Oliver Welke bringt es auf derselben Plattform durchschnittlich gerade mal auf rund 300.000 Aufrufe. Ihre enorme Reichweite macht vor allem die Quoten-Könige Stephen Colbert, Jimmy Kimmel und Jimmy Fallon zu wichtigen Akteuren im US-Wahlkampf.

    Nachdem im vergangenen Jahr mit David Letterman und Jon Stewart gleich zwei Legenden der amerikanischen Abendunterhaltung abgetreten sind, verhandeln nun junge Comedians wie Samantha Bee oder Trevor Noah das politische Geschehen in den USA. Wie kaum einer seiner Kollegen führt Noah in seiner Daily Show auf dem Sender Comedy Central Donald Trump vor: Der Moderator vergleicht Trump mit dem italienischen Diktatoren Benito Mussolini und sagt dem Milliardär nach, er sei an einer intimen Beziehung mit seiner Tochter Ivanka interessiert.

    Vor zwei Wochen schickte Noah einen Reporter zu einer Trump-Veranstaltung nach Wisconsin, um die Anhänger des Republikaners nach ihrer Meinung zu den von Trump geplanten ideologischen Einwanderungstests zu befragen. Der Reporter bekam Erschreckendes zu hören: Die Hochzeit zwischen Homosexuellen sei "ekelhaft", Frauen im Allgemeinen zu hormongesteuert um Präsidentinnen zu werden. "Für mich ist das alles noch lustig, ich habe ja auch noch ein alternatives Heimatland", sagt der gebürtige Südafrikaner Noah über Trump.


    Noah ist zwar einer der härtesten Trump-Kritiker im amerikanischen Late-Night-TV, aber er ist nicht allein: Während Hillary Clintons E-Mail-Skandal und ihre gut bezahlten Reden vor Großbanken bei Moderaten wie Fallon oder Kimmel kaum kritisch hinterfragt werden, zieht Trump die Kritik der gesamten Branche auf sich. Der Brite John Oliver legte Trump Mitte August nahe, doch endlich aus dem Rennen um die Präsidentschaft auszusteigen. An Trump persönlich gewendet erklärte Oliver: „Sag Amerika, dass diese ganze Kandidatur ein Gag war, eine Satire, um die Fehler des Systems aufzuzeigen."

  • 11:37 Uhr
    Paul Middelhoff

    #AmericanSelfies



    Marie Loiseau, 25, Jurastudentin und freie Journalistin aus Philadelphia, Pennsylvania.


    "Die Wahl in diesem Jahr macht mir mehr Sorgen als alle anderen Wahlen, an die ich mich erinnern kann. Ich mache mir Sorgen, dass die Unterstützer von Bernie Sanders im November nicht wählen gehen könnten, einfach weil ihr Kandidat nicht länger im Rennen ist. Diese Wähler sind für einen demokratischen Sieg aber unverzichtbar und es könnte zu einem riesigen Problem werden, wenn diese Leute einfach wegbleiben.

    Auch finde ich die breite Unterstützung für Donald Trumps extreme Ansichten verwirrend und verstörend. Mir ist es wirklich peinlich, dass seine harte Haltung in der Einwanderungspolitik im ganzen Land so gut ankommt. Er hat eine unausstehliche Persönlichkeit und ich kann einfach nicht glauben, dass ihm jemand die Führung des Landes anvertrauen will. Wir alle müssen im November zur Wahl gehen und eine kompetente Entscheidung treffen. Es geht darum, Trump zu verhindern."

  • 15:35 Uhr
    Rieke Havertz

    "Als müsste ich mich entscheiden, niedergestochen oder angeschossen zu werden" 

    So definiert wie Donald Trumps Zielgruppe ist – weiß, mittelalt, meist männlich – so klar schien in diesem Wahlkampf auch zu sein, dass Hillary Clinton auf die Stimmen der Latinos und Afroamerikaner zählen kann. Tatsächlich gewann Clinton schon im innerparteilichen Vorwahlkampf gegen Bernie Sanders die US-Bundesstaaten, in denen viele Minderheiten wählten. 

    Die Popularität Clintons bei Afroamerikanern liegt nicht allein darin begründet, dass Trump mit seinen beständig rassistischen Aussagen wenig dafür tut, diese Zielgruppe für sich einzunehmen. Ex-Präsident Bill Clinton war bei Afroamerikanern extrem beliebt, seine Frau Hillary profitiert davon genau wie von ihrer Ankündigung, die Politik Barack Obamas fortsetzen zu wollen. Zwar sind nicht wenige Afroamerikaner enttäuscht von Obamas acht Jahren im Weißen Haus, dennoch verspricht das Ticket Clinton mehr Kontinuität als die republikanische Alternative. 

    Doch ganz so sicher sind die Stimmen der Afroamerikaner für Clinton wohl nicht. Der New York Times liegt ein Papier über eine Befragung unter jungen Afroamerikanern vor, das zeigt, dass viele junge schwarze Wähler nicht unbedingt auf Clinton setzen. Die Zielgruppenbefragung wurde von einigen liberalen Organisationen wie dem Project New America durchgeführt. Wenig überraschend war die Ablehnung von Donald Trump als Kandidat, doch die Aussagen zu Hillary Clinton überraschen. "Was soll ich denn machen, wenn ich ihn nicht mag und ihr nicht vertraue?", sagte eine junge Afroamerikanerin aus Ohio. "Es ist als müsste ich mich entscheiden, niedergestochen oder angeschossen zu werden. Auf keinen Fall!"

    Eine andere junge Schwarze, ebenfalls aus Ohio, sagt: "Er ist ein Rassist, sie ist eine Lügnerin, also ernsthaft, wo ist der Unterschied einen von beiden oder keinen zu wählen." 

    Clinton hat im gesamten Verlauf ihrer Kampagne Probleme, junge Wähler zu erreichen. Laut einer Gallup-Umfrage haben nur 31 Prozent der Wähler unter 29 ein positives Bild von Clinton. Bernie Sanders schlug sie in dieser Zielgruppe regelmäßig deutlich. Die Jüngeren werfen Clinton vor, worauf auch Sanders seine Kampagne begründete: Die Ex-Außenministerin und ehemalige First Lady sei zu sehr Establishment. Und darüber hinaus zu wenig links und zu wenig konsequent in ihren Themen. Für junge afroamerikanische Wähler kommt außerdem noch die Frage dazu, wie die Kandidaten fürs Weiße Haus dem Problem des immer noch weit verbreiteten Rassismus begegnen wollen. Zwar hat Clinton bereits mehrfach Reden zum Thema Rassismus und Ungerechtigkeit gehalten, ist dabei über das Standardprogramm jedoch selten hinausgegangen.

    Grundsätzlich wird sich Clinton keine Sorgen machen müssen, dass die schwarzen Wähler zu Trump abwandern könnten. Die Zustimmungsrate für Trump liegt teilweise bei null Prozent in dieser Wählergruppe. Doch für Clinton wird es auch darauf ankommen, die Wähler in den Swing States zu mobilisieren, dort, wo viele Wähler unentschlossen sind. Und zu den entscheidenden Wählern zählt auch die junge, schwarze Generation. Obama erreichte laut Umfragen bei seiner letzten Wahl 92 Prozent der Afroamerikaner unter 45 Jahren. Clinton kann auf diese Stimmen nicht verzichten, will sie ihren Vorsprung in Staaten wie Florida oder Ohio sichern.

  • 10:28 Uhr
    Paul Middelhoff

    #AmericanSelfies



    Nate Szymanski, 23, Werbe-Kaufmann aus Chicopee, Massachusetts

    Was mir am meisten Sorgen macht, sind die Auswirkungen, die diese Wahl auf den Rest der Welt haben wird. Viele Staaten schauen auf die USA als Vorreiter in Sachen Umwelt, Wirtschaft und Soziales. Die Entscheidungen, die der nächste Präsident trifft, werden nicht nur unser Land über Jahre beeinflussen, sondern auch das Bild der Vereinigten Staaten in der Welt prägen.

    Die Positionen, die Donald Trump vertritt, sind egoistisch und haben das Potenzial, die Fortschritte zunichte zu machen, die wir unter Präsident Barack Obama gemacht haben. Er will lieber den Abbau von Kohle fördern, als in erneuerbare Energien zu investieren, und er verspricht den Reichen Steuergeschenke, statt die Arbeiterklasse für das Technologie-Zeitalter fit zu machen.

    Ich stehe hinter der Demokratin Hillary Clinton, denn ich glaube, dass dieses Land nur mit ihr voranschreiten wird.

  • 12:37 Uhr
    Rieke Havertz

    Erinnern Sie sich noch an Marco Rubio? 


    Es war Ende Februar in diesem schmutzigen Vorwahlkampf der Republikaner, als die Partei schon nervös wurde ob des unerwarteten Erfolgs von Donald Trump. Dieser Typ, der einfach mal mit Beleidigungen und wenig Inhalt die Massen begeisterte und die Konservativen im Handstreich zerstörte. Jeb Bush, der Kandidat des Establishments, war schon am Ende, es blieb eigentlich nur noch Marco Rubio, um die Partei vor Donald Trump zu retten. Der Senator aus Florida galt als Darling der Partei, der Hoffnungsträger: jung, telegen, Sohn kubanischer Einwanderer, gläubig und mit besten konservativen Ansichten ausgestattet. Doch auch Rubio kam mit seiner netten Art und seinen durchschnittlichen Positionen nicht gegen Trump an. Also kam die Sache mit den Händen.

    Rubio hatte sich im Vorwahlkampf schon einiges anhören müssen von Trump. Wie sehr er vor der Kamera schwitzen würde, dass er bei TV-Debatten eine Tonne Make-up im Gesicht brauche – und überhaupt, little Marco, kleiner Marco, war Trumps Lieblingsbeschreibung für seinen Konkurrenten. Und was macht man, wenn man mit Dreck beworfen wird und mit nett nicht weiterkommt? Klar, man bewirft den anderen mit Dreck. Also stellte sich Rubio auf eine Bühne und lästerte über Trumps schlechte Solariumsbräune und seine kleinen Hände. "Und ihr wisst, was man über Männer mit kleinen Händen sagt", sagte Rubio. Nach einer Kunstpause vollendete er dann nicht ganz unter der Gürtellinie: "Man kann ihnen nicht trauen."


    Das Niveau zu senken hat Rubio nicht geholfen, Mitte März gab er auf und zog sich aus dem Wettbewerb um die Präsidentschaftskandidatur zurück. Doch nun ist Marco Rubio zurück und könnte für die Republikaner im November eine entscheidende Rolle spielen. 


    Rubio gewann den parteiinternen Wahlkampf, um erneut als Senator für Florida zu kandidieren. Er schlug Carlos Beruff, einen Unterstützer von Donald Trump, der allein in den Vorwahlkampf acht Millionen Dollar Privatvermögen steckte. Gegen Rubio reichte es nicht. Der 45-Jährige wird im Rennen um den Senatsposten nun gegen den Demokraten und Kongressabgeordneten Patrick Murphy antreten. Beobachter vermuten, dass es einer der teuersten Wahlkämpfe um einen Senatorensitz in der Geschichte des Landes werden könnte. Mit einem derzeit schwächelnden Präsidentschaftskandidaten Trump ist es für die Republikaner umso wichtiger, die Kontrolle über den Senat, die mächtige Kammer des Kongresses, zu behalten. 

    Doch diese Mehrheit steht auf der Kippe und der Sitz in Florida könnte ein entscheidender sein. Rubio ist also wieder mitten drin im Wahlkampf. In seiner Siegesrede am Dienstag versprach er, kein Senator zu sein, der einfach alles aus dem Weißen Haus absegnen würde – egal, wie der Präsident heißt. Wenn sich Trump und Rubio also wiederbegegnen sollten – Freunde werden sie wohl nicht mehr.

  • 20:13 Uhr
    Paul Middelhoff

    Eine schmutzige Nachricht zu viel

    Irgendwann hat auch die geduldige Huma Abedin genug: Am Montag gab die wichtigste Mitarbeiterin der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton die Trennung von ihrem Mann Anthony Weiner bekannt. Das Boulevard-Blatt New York Post hatte am Wochenende berichtet, dass der Ex-Parlamentarier Weiner im Sommer 2015 einer weiblichen Internetbekanntschaft halbnackte Selfies in eindeutiger Pose zugeschickt hatte. Abedin, die derzeit mit Hillary Clinton im ganzen Land unterwegs ist, vollzieht die Trennung öffentlich. Sie will vermeiden, dass die Skandalgeschichte den Wahlkampf ihrer Chefin noch weiter überschattet.

    Denn für Weiner ist es nicht das erste Mal, dass er sich, seine Frau Abedin und sogar Ex-Außenministerin Clinton mit seiner Sexting-Leidenschaft blamiert. Im Jahr 2011 war er als Kongressabgeordneter zurückgetreten, nachdem erstmals bekannt geworden war, dass Weiner gleich mehreren Frauen anzügliche Nachrichten und Fotos zugeschickt hatte. Er versprach, sich zu bessern und begab sich in Therapie. Doch nur zwei Jahre später scheiterte sein Rennen um das Amt des Bürgermeisters von New York, als neue Sexting-Protokolle publik wurden. Der preisgekrönte Dokumentarfilm „Weiner“ zeigt, wie Abedin all die Jahre an der Seite ihres Mannes blieb und ihn gegenüber der aufgepeitschten US-Presse sogar verteidigte. Nun jedoch sagt die 40-Jährige sich von ihm los.


    Was wirkt wie eine bedeutungslose Klatsch-Geschichte, hat im amerikanischen Wahlkampf jedoch Brisanz: Denn Abedin hat sich in den vergangenen 20 Jahren zur Hüterin des Terminkalenders von Hillary Clinton hochgearbeitet, sie ist die engste Vertraute der ehemaligen First Lady. Selbst Ex-Präsident Bill Clinton soll sich darüber beschwert haben, seine Frau nicht mehr zu sprechen zu bekommen, ohne vorher mit Abedin zu verhandeln. In Washington gilt sie derzeit sogar als Anwärterin auf den Posten der Stabschefin, sollte Clinton im November die Wahl gewinnen.

    Doch die Tochter pakistanisch-indischer Akademiker gerät derzeit immer öfter in die Schlagzeilen: Erst vergangene Woche erfuhr die Öffentlichkeit durch ein Email-Leak davon, dass Abedin jahrelang die fragwürdigen Kontakte der Außenministerin zu reichen Spendern der Clinton Foundation koordiniert hatte. Der neuste Sexting-Skandal ihres Mannes schwächt ihre Position im Machtgefüge der Clintons nur noch weiter.

    Abedin hatte die First Lady Hillary Clinton im Jahr 1996 während eines Praktikum im East Wing des Weißen Hauses kennen gelernt. Im West Wing – dem Präsidentenflügel – arbeitete zur gleichen Zeit auch Monica Lewinsky, deren Affäre mit Bill Clinton sowohl die US-Regierung als auch die Ehe der Clintons wenige Monate später in eine tiefe Krise stürzte. Die Biografien der beiden Frauen, Abedin und Clinton, sind sich in dieser Hinsicht erstaunlich ähnlich. Der Unterschied: Clinton blieb trotz all der Skandale bei ihrem Mann. Abedin hingegen macht Schluss.
     

  • 11:12 Uhr
    Paul Middelhoff

    #AmericanSelfies



    Matthew Tyson, 27, Blogger aus Anniston, Alabama.

    "Für mich geht es bei dieser Wahl um mehr, als nur darum, einen Präsidenten zu bestimmen. Es geht um unsere Identität, um den Weg, den wir als Land einschlagen, und der uns in den kommenden Jahrzehnten prägen wird. Entweder können wir uns weiterhin für eine bessere und gerechtere Gesellschaft einsetzen, oder in Angst, Fremdenhass und blinden Nationalismus zurückfallen. Mir fällt die Entscheidung leicht. Trump ist eine Gefahr für unsere Freiheit, für unsere Verfassung und für die Werte, auf denen Amerika basiert. Er darf nicht gewinnen." 

  • 11:20 Uhr
    Marcus Gatzke

    Bernie Sanders will Amerika gerechter machen – auch wenn er längst aus dem Rennen um den nächsten US-Präsidenten ausgeschieden ist. Am Mittwoch startete Sanders deshalb sein neues und von vielen Anhängern lang erwartetes Projekt Our Revolution. Ein Ziel: Die Demokratie in den USA stärken – und zwar von unten. Politiker und Aktivisten auf allen Ebenen der Gesellschaft sollen von der Organisation unterstützt werden.

    Seine Auftaktrede wurde live gestreamt. Ein echter Wandel komme nie von oben, sagte er. Er komme immer von unten, wenn Millionen von Menschen zusammenkommen und grundlegende Veränderungen verlangen.

    Der Start verlief aber alles andere als reibungslos: Nach einem Bericht der New York Times ist ein größerer Teil der Mitarbeiter von Our Revolution Anfang der Woche zurückgetreten. Grund sei die Ernennung von Thomas Weaver zum Leiter der Organisation. Weaver war Sanders Kampagnen-Manager in den Vorwahlen.

    Viele misstrauten ihm tief, so der Vorwurf laut New York Times. Er habe in den Vorwahlen zu viel Geld für Fernsehwerbung verschwendet. Außerdem sei er nicht in der Lage gewesen, die geeigneten Mitarbeiter einzustellen und die richtigen Wählerschichten anzusprechen.

  • 16:55 Uhr
    Paul Middelhoff

    #AmericanSelfies



    Bri Phillips, 23, Studentin aus Bowling Green, Kentucky

    "Keine Frage, diese Wahl polarisiert. So viele meiner Bekannten fangen plötzlich an, sich politisch zu engagieren. Jahrelang war ich frustriert davon, dass meine Generation einfach keine Forderungen gestellt hat. Jetzt zeigt der Aufstieg von Bernie Sanders, dass meine Altersgenossen doch noch aufwachen. Endlich spricht meine Generation mit einer Stimme. Ich bin stolz auf uns. Wir haben uns dazu entschieden, dass wir uns für die grundlegenden Menschenrechte einsetzen müssen. Dieses Anliegen ist größer als jeder Kandidat.

    Trotzdem habe ich auch Angst: So sehr Sanders uns zu Aktivisten gemacht hat, so sehr hat Donald Trump in Vielen auch den inneren Rassisten zum Vorschein gebracht. Ich komme aus dem Süden, mein ganzes Leben lang bin ich Zeugin von Fremdenfeindlichkeit und Sexismus geworden. Doch in letzter Zeit haben die Leute weniger Scheu davor, sich in der Öffentlichkeit rassistisch zu äußern.  Während noch immer niemand den Minderheiten in unserem Land Gehör schenkt, wenn sie sich über Diskriminierung beschweren, unterstützen Fanatiker im ganzen Land den ahnungslosesten und rassistischsten Kandidaten aller Zeiten. Wir stehen vor einer historischen Entscheidung. Und ich hoffe, dass unser Land eine Wahl trifft, auf die wir stolz sein können."

  • 20:56 Uhr
    Paul Middelhoff

    Trump will ins TV

    Bisher galt: Donald Trump hat TV-Werbung nicht nötig. Die Medien widmeten dem Milliardär ihr Programm ohnehin ganz von alleine – schließlich versprachen die neusten Attacken des republikanischen Präsidentschaftskandidaten immer gute Quoten für die Sender. Doch angesichts der Flut an Werbefilmchen seiner Kontrahentin Hillary Clinton, platziert nun auch Trump seinen ersten Wahlkampf-Spot im amerikanischen Fernsehen. Der 30-Sekunden-Clip mit dem Titel „Two Americas: Immigration“ zielt auf die Einwanderungspolitik der Obama-Ära. Die Botschaft: Amerika dient nicht mehr zuerst den Amerikanern, sondern Flüchtlingen aus Nahost und illegalen Immigranten aus Südamerika. Trumps Antwort? „Make America Safe Again“. Das geht natürlich nur mit ihm.

    Der Werbespot ist jedoch nur in den Bundesstaaten Ohio, Pennsylvania, North Carolina und Florida zu sehen. Denn es sind diese Swing States, die im Wahlkampf traditionell besonders umkämpft sind. Trump wendet sich gezielt an die Bürger, deren Stimme er für einen Sieg bei der Wahl im November braucht. Und spart nebenbei viel Geld. Denn wer landesweit Werbung schalten will, gibt dafür leicht Summen im zweistelligen Millionen-Bereich aus. Trump, dessen Wahlkampf-Budget ohnehin deutlich kleiner ist als das seiner Konkurrentin, wählt deshalb die kostengünstigere Variante: 4.8 Millionen Dollar bezahlt er den Sendern, damit sie den ersten TV-Spot seines Wahlkampfs zeigen.

  • 15:08 Uhr
    Paul Middelhoff

    #AmericanSelfies



    Colby Stanton, 24, Webentwickler aus Aspen, Colorado

    Das ist mein Großvater Dennis Morgan. Er hat in Vietnam und Korea gedient, um unser großartiges Land zu beschützen. Wie er sind so viele Amerikaner ins Militär eingetreten, haben jahrelang im Ausland gelebt und ihr Leben riskiert, damit wir heute als starke Nation zusammenstehen können. Mit Blick auf die Wahl frage ich mich deshalb: Welcher der beiden Kandidaten wird sich um unsere Veteranen kümmern? Wer kämpft für sie und stellt sicher, dass diese Männer und Frauen eine anständige Gesundheitsversorgung und gute Renten bekommen?

    Ich weiß noch nicht, wen ich wähle. Aber mir ist wichtig, dass wir weniger Geld für Flüchtlinge ausgeben, egal, aus welchem Land sie kommen. Amerika ist ein Land, in dem jeder seine Zukunft frei gestalten kann. Aber den hart arbeitenden Bürgern das verdiente Geld in Form von Steuern aus der Tasche zu ziehen, nur, um es Flüchtlingen zukommen zu lassen, ist Quatsch. Vielleicht ist das genau die Summe, die meinem Großvater fehlt, wenn er das nächste Mal zum Arzt muss, um seine Vergiftung mit dem Agent-Orange-Pflanzenschutzmittel aus dem Vietnamkrieg behandeln zu lassen. Wenn wir den Ärzten dieses Geld geben würden, hätte mein Opa eine bessere Aussicht auf gute Medizin.

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