Für ihr Engagement bei der Rettung von Zivilisten im syrischen Bürgerkrieg ist die Organisation Weißhelme mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden – zum ersten Mal geht die Auszeichnung damit nach Syrien, wie die Right-Livelihood-Stiftung mitteilte. Außerdem wurden die ägyptische Feministin Mozn Hassan, die russische Menschenrechtsaktivistin Swetlana Gannuschkina und die türkische Zeitung Cumhuriyet ausgezeichnet.

Das Medium wird damit im Jahr des gescheiterten Putschversuchs für den Kampf für Meinungsfreiheit in der Türkei gewürdigt. Die Redaktion werde "für ihren unerschrockenen investigativen Journalismus und ihr bedingungsloses Bekenntnis zur Meinungsfreiheit trotz Unterdrückung, Zensur, Gefängnis und Morddrohungen" ausgezeichnet, schrieb die Stiftung in ihrer Begründung. "Zu einer Zeit, in der die Meinungsfreiheit in der Türkei zunehmend bedroht ist, beweist die Cumhuriyet, dass die Stimme der Demokratie nicht zum Schweigen gebracht werden kann."

Der Präsident der Cumhuriyet-Stiftung, Orhan Enric, unterstrich: "Wir haben Putsche, Putschversuche, Belagerungszustände und Ausnahmezustände durchgemacht, aber wir haben niemals eine Einschränkung des Informationsrechts unserer Leser zugelassen."

Redaktionssitzung bei der türkischen Zeitung "Cumhuriyet" © Ozan Kose/AFP/Getty Images

3.000 Freiwillige riskieren ihr Leben

Die ebenfalls ausgezeichneten syrischen Weißhelme gelten auch als Kandidat für den Friedensnobelpreis, der am 7. Oktober in Oslo vergeben wird. Zahlreiche Hollywoodgrößen haben sich für eine Auszeichnung der rund 3.000 Freiwilligen eingesetzt, die ihr Leben riskieren, um Menschen nach Bombenangriffen aus den Trümmern in dem Bürgerkriegsland zu retten.

Die Kriegshelfer nahmen die Nachricht über die Preisvergabe mit großer Freude auf: "Wir sind überwältigt und glücklich, dass Menschen da draußen sehen, was wir machen, unsere Botschaft verstehen und uns dafür ehren", sagte Ibrahim Al-Hadsch, Sprecher der zivilen Hilfsorganisation.

Gegen Gewalt, Missbrauch und Diskriminierung

Ausgezeichnet wurde auch Swetlana Gannuschkina, die sich seit 1990 in Russland für Migranten und Binnenvertriebene einsetzt und nach Angaben der Stiftung mehr als 50.000 von ihnen rechtliche Unterstützung, humanitäre Hilfe und Bildung ermöglicht hat. Die Russin nannte die Preisvergabe "eine große Ehre und eine Solidaritätsbekundung".

Die vierte Preisträgerin ist die ägyptische Feministin Mozn Hassan mit ihrer Organisation Nazra für feministische Studien. Sie werden "für ihren Einsatz für die Gleichstellung und die Rechte von Frauen unter Umständen von anhaltender Gewalt, Missbrauch und Diskriminierung" geehrt. Weil gegen sie ermittelt wird, darf Hassan das Land derzeit nicht verlassen. Die Stiftung will sich mit dem Netzwerk der Preisträger aber dafür einsetzen, dass sie zur Preisverleihung nach Stockholm kommen kann.

Die Alternativen Nobelpreise werden seit 1980 jährlich in kritischer Distanz zu den traditionellen Nobelpreisen an Kämpfer für Menschenrechte, Umweltschutz und Frieden vergeben. Die vier Preisträger teilen sich das Preisgeld in Höhe von drei Millionen schwedischen Kronen (rund 313.000 Euro). Mit ihnen zählt die Stiftung 166 Preisträger aus 68 Ländern.