UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat mehreren Staaten vorgeworfen, für den Krieg in Syrien die Verantwortung zu tragen. "Mächtige Schutzherren, die die Kriegsmaschine weiter füttern, haben auch Blut an ihren Händen", sagte Ban zum Auftakt der Generaldebatte in New York. Im Plenarsaal seien Vertreter von Regierungen anwesend, die Gräueltaten gegen das syrische Volk ignoriert, möglich gemacht, finanziert, sich daran beteiligt oder diese sogar selbst geplant und ausgeführt hätten. 

Den Angriff auf Lastwagen eines Hilfskonvois in Syrien bezeichnete Ban, der Ende des Jahres aus dem Amt scheidet, als widerlich. "Die Helfer, die dort lebensrettende Güter lieferten, waren Helden. Diejenigen, die sie bombardierten, waren Feiglinge." Bei dem Angriff in dem nordsyrischen Ort Orem al-Kubra waren am Montagabend mehr als 20 Zivilisten beim Entladen von Hilfsgütern getötet worden. Daraufhin hatten die UN angekündigt, vorerst keine Hilfskonvois mehr in das Land schicken zu wollen.

Ban forderte die Kriegsparteien in Syrien auf, zu den Verhandlungen zurückzukehren. Der Konflikt könne nicht militärisch gelöst werden. In Syrien wies man Bans Kritik zurück. Das Außenministerium teilte mit, die UN seien in der Ära des scheidenden Generalsekretärs von ihrer Rolle abgewichen, "gerechte Lösungen für internationale Probleme" zu finden. Das syrische Volk habe das Recht auf Selbstbestimmung und brauche Bans Rat nicht. Dessen Rede sei "extrem weit von den Regeln der UN-Charta abgewichen". In Bans Ära habe das internationale Gremium keinerlei Konflikte gelöst.

"Dient eurem Volk"

Den schon bei Bans Amtsantritt vor zehn Jahren akuten Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern bezeichnete der 72-jährige Südkoreaner als Wahnsinn. Die Chancen auf eine Zwei-Staaten-Lösung würden schwinden. Zudem gefährdeten die Atomtests Nordkoreas die internationale Sicherheit, während der Ukraine-Konflikt zu Spannungen in Europa geführt habe. "Dennoch bin ich nach zehn Jahren im Amt mehr als je zuvor davon überzeugt, dass wir die Macht haben, Kriege, Armut und Verfolgung zu beenden", sagte Ban.

Die Vertreter der 193 UN-Mitgliedstaaten forderte der Südkoreaner bei seiner letzten Generaldebatte auf, das Pariser Klimaschutzabkommen noch dieses Jahr in Kraft treten zu lassen. Dafür seien noch Ratifizierungen in 26 Ländern nötig, die gemeinsam 15 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes ausmachten. Ban lobte die Anstrengungen im Kampf für Frauenrechte und sagte, er sei stolz, sich selbst einen Feministen nennen zu können. 

In seiner Rede warnte Ban auch davor, dass an zu vielen Orten auf der Welt Staatschef ihre Verfassungen umschrieben und Wahlen manipulierten, um ihre Macht zu erhalten. "Dient eurem Volk", forderte Ban. "Untergrabt die Demokratie nicht, stehlt nicht die Ressourcen eurer Länder, verhaftet und foltert eure Kritiker nicht."

Die USA kann nicht alle Probleme alleine lösen

Präsident Barack Obama sprach zum letzten Mal als Präsident der USA in der Generaldebatte. Besonders warnte er in seiner Rede vor der Abschottung einzelner Staaten. "Eine von Mauern umringte Nation würde sich heute nur selbst einsperren", sagte er in einem Seitenhieb gegen den US-Republikaner Donald Trump, der sich um seine Nachfolge als Präsident bewirbt.

Stattdessen sollten offene Gesellschaften, die Abkehr von autoritären Staatsformen und die Hilfe für Flüchtlinge die Grundlage für politische Entscheidungen bilden. "Um nach vorne zu schreiten, müssen wir allerdings eingestehen, dass der bestehende Pfad zur weltweiten Integration einer Kurskorrektur bedarf." Staaten, Herkunft, Stämme und Religion dürften keine Trennlinien internationaler Politik sein.

Im Bezug auf die Rolle der USA in der Weltpolitik sagte Obama, dass man nicht alle Probleme allein lösen könne. Zwar hätten die USA häufig jenseits eigener Interessen gehandelt und dabei Hunger und Armut in anderen Ländern verringert. Darauf sei Obama stolz aber: "Ich weiß auch, dass wir das nicht alleine machen können."