Nordkorea hat am Freitag die Zündung einer Atombombe bestätigt. Es habe sich um einen "erfolgreichen" Atomwaffentest gehandelt, berichtete das staatliche Fernsehen. "Unsere Partei hat den Atomwissenschaftlern ein Glückwunschtelegramm für den erfolgreichen Atomtest übermittelt", hieß es in dem Bericht. Zuvor hatten Seismologen mehrerer Länder Erdstöße in Nordkorea registriert, die auf einen entsprechenden Test hindeuten. Es war der fünfte und bislang stärkste Atomsprengkörper, der getestet wurde.

In China ist wegen des Atomtests ein Notfallplan an der Grenze zu Nordkorea angelaufen. Der Krisenplan, den das Umweltschutzministerium in Kraft setzte, ist der zweithöchste in einem vierstufigen Reaktionsprogramm. Er wird bei "wichtigen Umweltfällen" aktiviert. Das Umweltschutzministerium in Peking teilte mit, dass Messstationen in den drei nordostchinesischen Provinzen und in der Provinz Shandong "normal arbeiten". Über erhöhte Radioaktivität wurde nicht berichtet.

China rief die Staatengemeinschaft allerdings zur Zurückhaltung auf. Niemand, auch nicht Nordkorea, könne ein Interesse an Chaos oder Krieg auf der koreanischen Halbinsel haben, hieß es in einem Kommentar der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Der Test sei zwar "nicht weise", allerdings habe Südkorea durch die Entscheidung zur Stationierung des US-Raketenabwehrsystems Thaad das strategische Gleichgewicht in der Region schwer beschädigt.

Südkorea hatte nach seismischen Anzeichen für einen Atomtest im Norden den Nationalen Sicherheitsrat einberufen. Bei der Dringlichkeitssitzung werde die Auswirkung des möglichen Tests besprochen, sagte ein Sprecher des Präsidialamts.

Japan erwägt jetzt neue Sanktionen gegen das Regime in Pjöngjang, teilte ein Regierungssprecher mit. Ministerpräsident Shinzo Abe sagte, Nordkoreas Atomwaffenentwicklung sei eine ernste Bedrohung für Japan. Die US-Regierung teilte mit, sie beobachte die Lage genau und sei in engem Kontakt mit den Partnern in der Region.

Die Erdstöße wurden laut südkoreanischem Militär nahe des Testgeländes Punggye-ri registriert. Zuvor hatte die US-Erdbebenwarte USGS Erdstöße mit einer Stärke von 5,3 gemessen. Diese könnten von einer Explosion ausgelöst worden sein, hieß es.

Auf Punggye-ri sind alle unterirdischen Atomversuche Nordkoreas seit 2006 vorgenommen worden. Zuvor hatten Satellitenaufnahmen dort schon Aktivitäten entdeckt, die auf Vorbereitungen auf einen fünften Atomversuch hindeuten könnten. Nach einem Atomtest im Januar und dem umstrittenen Start einer Weltraumrakete im Februar ist die Lage in der Region sehr gespannt.

Raketentest überschattet G-20-Gipfel

Ungeachtet der Verwarnungen und Strafmaßnahmen durch die Vereinten Nationen hatte der isolierte stalinistische Staat mit Machthaber Kim Jong Un an der Spitze seine Raketentests fortgesetzt. Erst am Montag hatte Nordkorea erneut ballistische Raketen gestartet und damit den Gipfel der Staats- und Regierungschefs der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) im ostchinesischen Hangzhou überschattet.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte den jüngsten Raketentest Nordkoreas scharf. Damit habe das Land gegen zahlreiche Resolutionen des Gremiums verstoßen, hieß es in einer Mitteilung des Rates.

Nordkorea soll bereits über eine Handvoll Rohatombomben verfügen. Seit Langem bemüht sich die kommunistische Führung um ein Arsenal von Atomsprengköpfen, die auf eine Rakete mit einer Reichweite bis zum Festland der USA angebracht werden können.