Der frühere brasilianische Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva muss sich wegen Korruption und Geldwäsche vor Gericht verantworten. Der Richter Sérgio Moro akzeptierte die von der Staatsanwaltschaft vorgebrachten Anklagepunkte gegen den 70-Jährigen. Es lägen "ausreichende Indizien" für einen Prozess vor, begründete Moro seine Entscheidung. Auch Lulas Frau und sechs weitere Personen müssen sich vor Gericht verantworten.

In der Anklage geht es um ein Korruptionsnetzwerk rund um den staatlichen Ölkonzern Petrobras. Die Staatsanwaltschaft wirft Lula vor, der "Oberbefehlshaber" dieses Netzwerks gewesen zu sein. Bei einer Verurteilung könnte der 70-Jährige Ende 2018 nicht für ein drittes Mandat als Staatschef kandidieren.

In den Skandal sind viele Geschäftsleute und Politiker verwickelt. Von 2004 bis 2014 soll Petrobras zu überteuerten Bedingungen Aufträge an Baukonzerne und andere Firmen vergeben haben, diese wiederum zahlten Bestechungsgelder an Politiker und Parteien. Allein die Arbeiterpartei soll bis zu 200 Millionen Dollar erhalten haben.

Der Korruptionsskandal um den staatlichen Ölkonzern Petrobras beschäftigt die brasilianische Öffentlichkeit seit Jahren. Lula wies die Vorwürfe wiederholt als politisch motiviert zurück und beteuerte seine Unschuld. Er sieht in den gegen ihn erhobenen Korruptionsvorwürfen eine Intrige zur Verhinderung seiner Präsidentschaftskandidatur 2018.

Lulas Nachfolgerin und Vertraute Dilma Rousseff war Ende August vom Senat ihres Amtes enthoben worden. Ihr war vorgeworfen worden, Haushaltszahlen geschönt und damit ihre Amtspflichten verletzt zu haben.