Großbritannien will trotz des geplanten Austritts aus der EU weiter Versuche blockieren, eine europäische Armee aufzubauen. "Wir sind uns einig, dass Europa mehr tun muss – gerade jetzt, angesichts von Terrorismus und Migration", sagte der britische Verteidigungsminister Michael Fallon in Bratislava, wo die Minister nach dem Brexit-Votum über eine engere Zusammenarbeit der übrigen Staaten in der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik beraten wollen. "Aber es wäre der falsche Weg, wenn man dafür einfach die Strukturen der Nato kopieren oder die Allianz schwächen würde."

Nach der Entscheidung der Briten für einen EU-Austritt im Juni plant die EU einen neuen Anlauf, um sich in der Verteidigungspolitik zu stärken. Deutschland und Frankreich haben dazu eine Reihe von Vorschlägen unterbreitet, die in Bratislava diskutiert werden sollen. Sie sehen unter anderem die Einrichtung eines EU-Hauptquartiers für Auslandseinsätze, die Schaffung eines gemeinsamen Sanitätskommandos und eine verstärkte Rüstungskooperation vor. Großbritannien hatte derartige Pläne stets blockiert.

Die Nato müsse das Fundament der europäischen Verteidigung bleiben, verlangte Fallon. Großbritannien werde alle Bestrebungen zur Schaffung einer europäischen Armee oder eines europäischen Hauptquartiers ablehnen. Solche Pläne würden "die Nato schlicht und einfach untergraben". Die Militärallianz müsse Eckpfeiler der Verteidigung in Europa bleiben.

Fallons Amtskollegen aus Deutschland und Frankreich, Ursula von der Leyen und Jean-Yves Le Drian, sagten, ihre Initiative richte sich nicht gegen die Nato. Es gehe ihnen auch nicht um eine europäische Armee. "Im Gegenteil: Es geht darum, die unterschiedlichen Stärken der europäischen Länder besser zusammenzufassen, damit wir gemeinsam schnell handlungsfähig sind", sagte von der Leyen. "Alles, was Europa stärkt in der Verteidigung, stärkt auch die Nato."

Briten können Verteidigungsbeschlüsse der EU blockieren

"Wenn man sich anschaut, wie viel Personal und Finanzen innerhalb der Verteidigung in Europa vorhanden sind in 28 Staaten, aber wie wenig wir untereinander koordiniert sind, so können wir deutlich besser werden", warb von der Leyen für ihre Pläne. Gemeinsam mit ihrem französischen Amtskollegen schlage sie deshalb unter anderem den Aufbau eines mobilen Militärkrankenhauses und einer gemeinsamen Logistikdrehscheibe vor. Europa sei in Krisenfällen zu langsam. Das habe man zuletzt unter anderem bei der Ebola-Epidemie in Westafrika gemerkt. Sie kostete mehr als 11.000 Menschen das Leben.

Großbritannien wird noch mindestens zwei Jahre EU-Mitglied bleiben, bis die komplexen Verhandlungen über den Austritt aus der Union abgeschlossen sind. So lange kann das Land Beschlüsse in der Verteidigungspolitik grundsätzlich blockieren, die normalerweise einstimmig fallen müssen. Berlin und Paris haben aber auf bisher ungenutzte Möglichkeiten im EU-Vertrag verwiesen, auch in einer kleineren Gruppe von Ländern im Verteidigungsbereich voranzuschreiten.