Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) will Flüchtlinge künftig wieder nach Griechenland zurückschicken. Man habe in Europa viel unternommen, um die Situation in dem Land zu verbessern, sagte er der Welt am Sonntag. "Das muss dann auch Folgen haben und dazu führen, dass entsprechend der Dublin-Verordnung Flüchtlinge auch wieder nach Griechenland zurückgeschickt werden können."

Einen deutschen Alleingang lehnt der Innenminister allerdings ab. "Es ist wichtig, dass wir zu einer gemeinsamen europäischen Haltung kommen. Wenn wir alleine voranpreschen, besteht die Gefahr, dass Verwaltungsgerichte das Rückführen schon nach kürzester Zeit untersagen."

Nach der Dublin-Verordnung muss jeder Flüchtling seinen Asylantrag in dem EU-Land stellen, das er zuerst betreten hat. Wird er in einem anderen EU-Staat aufgegriffen, kann er in das Land der Einreise zurückgeschickt werden. Abschiebungen von Deutschland nach Griechenland wurden wegen der schlechten Aufnahmebedingungen in dem krisengeschüttelten Land schon im Jahr 2011 ausgesetzt.

"Sehnsucht nach angeblich heiler Welt"

Die bisherige Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht der Innenminister indes nicht als Grund für den Aufstieg der rechtspopulistischen AfD. Einen solchen Zusammenhang halte er für abwegig, sagte de Maizière der Zeitung. "Wir erleben in ganz Europa den Aufstieg rechtspopulistischer Parteien. Deutschland bildete lange die Ausnahme. Die Flüchtlingskrise war nicht die Ursache dafür, dass auch hier die Rechtspopulisten Aufwind bekommen haben."

Stattdessen hält der Innenminister eher einzelne politische Entscheidungen und ein generelles Unbehagen mancher Menschen gegenüber Globalisierung und Moderne für die Ursache des Aufstiegs der Partei. "Bei einigen Kräften der AfD sehe ich eine Sehnsucht nach einer angeblich heilen Welt der westdeutschen Bundesrepublik, die es aber so nie gegeben hat", sagte er. "Und Skepsis gegenüber der Westbindung, gegenüber der EU und eine besondere Nähe zu Putin war nie Politik der CDU!"

Zur Frage, ob Merkel erneut als Kanzlerkandidatin antreten sollte, wollte sich de Maizière nicht äußern. "Ich arbeite mit der Kanzlerin sehr eng zusammen. Und ich weiß, dass sie in solchen Fragen Ratschläge von außen nicht gern hört", sagte er. "Meine Meinung können Sie sich vorstellen."