Als Donald Trump am Mittwochnachmittag an der Seite von Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto in Mexiko-Stadt vor die Kameras tritt, ist sein Ton plötzlich ein anderer. Die mexikanischen Einwanderer in den USA seien "einfach über jeden Zweifel erhaben". Trump nennt sie "spektakulär hart arbeitende Leute". Die Mauer wolle er zwar immer noch bauen, aber wer dafür bezahlen soll, hätte er mit Peña Nieto nicht besprochen, sagt er bei seinem Überraschungsbesuch in Mexiko. Noch im Juni hatte er behauptet, von Mexiko aus kämen nur Vergewaltiger und andere Kriminelle in die USA. Der republikanische Präsidentschaftskandidat wollte das Land zwingen, für den Bau einer Grenzmauer zu bezahlen. Doch nun klingt Trump versöhnlich, professionell und sogar ein bisschen staatsmännisch. Hat er seine extremen Ansichten noch einmal überdacht?

Die Antwort liefert Trump nur wenige Stunden später in Phoenix, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Arizona. Er ist aus Mexiko gleich dorthin geflogen, um endlich klarzustellen, wie er mit dem Thema Einwanderung umgehen will. "Jeder, der illegal in die USA eingereist ist, wird Gegenstand von Deportationen sein." Mit Sätzen wie diesem widerlegt er all jene, die geglaubt hatten, dass Trump seinen Kurs in der entscheidenden Phase des Wahlkampfs doch noch mäßigen würde.

In seiner Rede beschreibt Trump die USA als ein von "illegalen Aliens" überflutetes Land: Kriminalität, Arbeitslosigkeit, hohe Staatsschulden – Trump sieht in der Einwanderung aus Süd- und Zentralamerika die Wurzel allen Übels. Gleichzeitig präsentiert er harte Maßnahmen, mit denen er die Migration stoppen will. "Unsere Botschaft an die Welt wird diese sein: Ihr könnt durch illegale Einreise keinen legalen Status erlangen oder Bürger der Vereinigten Staaten werden." Allein seine Rede hier in Arizona, da ist Trump sich sicher, werde "helfen, die Krise der unzulässigen Grenzübertritte" aufzuhalten.

Derzeit leben laut offiziellen Schätzungen rund elf Millionen illegale Einwanderer in den Vereinigten Staaten – ihr Anteil an der US-Bevölkerung liegt bei etwa 3,5 Prozent. Laut Zahlen der US-amerikanischen Regierung kommen sie vor allem aus Mexiko und den Staaten Mittelamerikas. Während Trump noch zu Beginn seines Wahlkampfs die Abschiebung aller Illegalen durch eine Task Force gefordert hatte, deutete er in den vergangenen Wochen einen milderen Kurs an: In einem Interview mit dem Fernsehsender Fox erklärte Trump, es sei "sehr, sehr hart", Menschen zu deportieren, die über 15 Jahre lang in den USA gelebt hätten.

"Null Toleranz"

Von diesen Bedenken ist in Arizona jedoch kaum etwas übrig. Zwar wolle er "fair" mit den Einwanderern umgehen. "Aber unsere größte Anstrengung muss den amerikanischen Bürgern gelten." Für ihn bedeutet das: Die Einwanderungspolitik der Obama-Jahre revidieren, "Null Toleranz" für kriminelle Einwanderer und das Ende aller Sozialleistungen für illegale Immigranten. America First – Trump bleibt dabei. 

Mal leicht gemäßigt, dann wieder Hardliner, so will Trump seine Chancen auf einen Sieg im November verbessern: Denn er braucht sowohl die Unterstützung seiner national-konservativen Basis, als auch die Stimmen von Frauen und Akademikern. Bei letzteren kam seine aggressive Rhetorik jedoch laut Umfragen bislang nicht gut an. Seine Rede in Arizona hat gezeigt, dass Trump die Mäßigung nicht recht gelingt – er sieht die USA am Abgrund: "Wir sind mitten in einer Job-Krise, einer Grenz-Krise und einer Terror-Krise."

Wer führt in den Umfragen?

Die Aussicht, bis zum November auch die Stimmen von Latinos und Afroamerikanern für sich zu gewinnen, scheint Trump hingegen weitgehend aufgegeben zu haben. Zwar erklärt er in Phoenix zum wiederholten Mal, dass die illegalen Einwanderer an der Arbeitslosigkeit der Schwarzen Schuld seien, indem sie Billiglöhne akzeptieren und dadurch den Arbeitsmarkt kaputtmachen würden. Doch ist die Unzufriedenheit der nicht-weißen Wähler in den USA wohl deutlich größer, als dass Trump sie mit ein paar müden Sätzen während seiner Rede in Arizona für sich gewinnen könnte. Laut einer aktuellen Umfrage der Washington Post würden derzeit nur zwei Prozent der Afroamerikaner für Trump stimmen.